Frauenkirche-Ratgeber: Türme, Teufelstritt und Besuchertipps
Munich: old town walking tour
Kann man 2026 die Frauenkirchen-Türme besteigen?
Ja, der Südturm ist für Besucher mit einem Aufzug zur Aussichtsplattform in 99 Metern Höhe geöffnet. Der Eintritt beträgt 7,50 € für Erwachsene und 3,50 € für Kinder. Die Öffnungszeiten sind in der Regel dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr. Der Nordturm bleibt 2026 aufgrund laufender Restaurierungsarbeiten für Besucher geschlossen. Der Blick vom Südturm über Münchens Dächer und in Richtung der Alpen ist hervorragend.
Münchens Doppelturmkathedrale: Architektur, Legende und ein Blick über die Stadt
Von fast jedem erhöhten Punkt in München aus sind die zwei grünen Kupferkuppeln der Frauenkirche der Orientierungspunkt. Sie erscheinen hinter einem, wenn man den Marienplatz verlässt. Sie rahmen den Westblick vom Englischen Garten. Sie sind auf jedem Münchner Foto zu sehen, das von den Hügeln südlich der Stadt aufgenommen wurde. Die Türme der Kathedrale prägen Münchens Silhouette seit über 550 Jahren.
Die Frauenkirche – offiziell der Dom zu Unserer Lieben Frau – ist der Sitz des Erzbischofs von München und Freising und die Mutterkirche der Erzdiözese München. Sie ist gleichzeitig ein aktives religiöses Gebäude und eines der meistbesuchten Architekturdenkmäler Bayerns. Beide Dimensionen zu verstehen macht den Besuch lohnender.
Das Gebäude: Baugeschichte
Die heutige Frauenkirche wurde nach mittelalterlichen Maßstäben für Kathedralen relativ schnell erbaut: von 1468 bis 1488, also in nur 20 Jahren. Der Architekt war Jörg von Halsbach (auch als Jörg Ganghofer bekannt), der auch das Alte Rathaus am Marienplatz entwarf. Auftraggeber war Herzog Sigismund von Bayern.
Der Bauplatz war nicht leer – eine kleinere romanische Kirche stand hier zuvor, und der Bau des gotischen Nachfolgers begann, während die alte Kirche noch genutzt wurde. Bis 1488 war das Hauptschiff fertiggestellt, obwohl die markanten Kuppeltürme erst 1525 hinzugefügt wurden.
Die Kuppelkrönungen der Türme – die charakteristischen Renaissancekuppeln, die das ansonsten gotische Bauwerk krönen – wurden 1525 von Lukas Rottaler entworfen und ersetzten die beabsichtigten gotischen Türme, die mangels Mittel nie fertiggestellt wurden. Die Kombination aus dem roten Ziegelbau und den Renaissancekuppeln ist nach strengen stilistischen Maßstäben architektonisch eigenwillig, aber genau diese Kombination macht die Silhouette der Frauenkirche so unverwechselbar.
Das Gebäude überstand die Bombenangriffe des Zweiten Weltkriegs mit erheblichen Schäden: Dächer zerstört, Fenster zerbrochen, die Orgel verloren. Die Außenfassade wurde in den 1950er Jahren restauriert und das Innere in den folgenden Jahrzehnten. Was man heute sieht, ist eine Kombination aus originalem Mauerwerk aus dem 15. Jahrhundert, Restaurierungsarbeiten aus der Mitte des 20. Jahrhunderts und zeitgenössischen Erhaltungsmaßnahmen.
Das Außenansicht und die Annäherung an das Gebäude
Die Frauenkirche steht auf dem Frauenplatz, einem kleinen Platz, der von der Kaufingerstraße westlich des Marienplatzes abzweigt. Die südliche Fassade – die Haupteingangsseite – vermittelt den vollen Eindruck der Doppeltürme, die 99 Meter hoch aufragen.
Der rote Ziegelverblend ist typisch für die Region – gebrannter Ortsziegel statt des gemeißelten Steins, der in französischen oder englischen Gotikkathedral verwendet wird. Die Oberfläche ist vergleichsweise schlicht, besonders im Vergleich zu aufwendigeren gotischen Fassaden. Das gemeißelte Portal über dem Südeingang (mit Szenen aus dem Leben der Jungfrau Maria) ist das wichtigste bildhauerische Programm; es stammt aus dem späten 15. Jahrhundert und wurde teilweise restauriert.
An einem klaren Morgen, bevor die Massen kommen, ist der Frauenplatz einer der besseren Plätze in München, um die Kathedrale ohne Menschen im Bild zu fotografieren. Abendsonnenlicht auf den Türmen von Osten ist ebenfalls schön.
Das Innere: eine spätgotische Hallenkirche
Das Innere der Frauenkirche ist eine Hallenkirche – eine Grundrissform, bei der Mittelschiff und Seitenschiffe ungefähr gleich hoch sind, was einen breiten, relativ egalitären Innenraum statt eines hohen, aufstrebenden Mittelschiffs wie in der französischen Gotik schafft. Die Abmessungen sind beträchtlich: 109 Meter lang, 40 Meter breit, mit einer Deckenhöhe von etwa 37 Metern.
Zweiundzwanzig schlanke Achteckpfeiler unterteilen den Raum in drei Schiffe. Die Pfeiler sind so proportioniert, dass sie beim Stand am Eingang die Sichtlinien zu den Fenstern im Chorumgang am Ostende verdecken – der architektonische Kunstgriff, um den sich die Legende des Teufelstritts rankt.
Was man sich im Inneren ansehen sollte:
Die Bessererkapelle und das Chorbuntglas: Die Chorfenster am Ostende enthalten Münchens bedeutendstes erhaltenes mittelalterliches Buntglas. Die Serie stammt hauptsächlich aus dem späten 15. und frühen 16. Jahrhundert und zeigt Propheten, Apostel und Szenen aus dem Leben Mariens. Vieles wurde im Zweiten Weltkrieg beschädigt und restauriert; einige Originalscheiben haben überlebt. Man sollte sich die Zeit nehmen, diese zu betrachten – sie sind wirklich außergewöhnlich.
Das Grabmal Ludwigs IV. (Kaiser des Heiligen Römischen Reiches): Ludwig IV. (auch Ludwig der Bayer genannt) war von 1328 bis 1347 Kaiser des Heiligen Römischen Reiches und der Wittelsbacher Herrscher, der München als bedeutendes Hofzentrum etablierte. Sein Grabdenkmal ist ein schwarzer Marmorsarkophag mit goldenem Baldachin im Chorbereich. Das Grabmal selbst wurde im 17. Jahrhundert errichtet; der ursprüngliche Bestattungsort war eine frühere Kirche an diesem Standort.
Die Orgel: Die heutige Orgel wurde 1994 installiert und 2010 umgebaut. Sie hat 91 Register und gilt als eines der feinsten Instrumente Bayerns. Die Frauenkirche gibt regelmäßige Orgelkonzerte – den Veranstaltungsplan auf der Website der Kathedrale prüfen.
Der erzbischöfliche Thron und das Chorgestühl: Das Chorgestühl ist spätgotische Holzschnitzerei, teilweise original, teilweise aus dem 20. Jahrhundert. Der überdachte Thron des Erzbischofs ist barock und wurde im 18. Jahrhundert installiert.
Denkmal für Feldmarschall Johann Tserclaes, Graf von Tilly: Tilly befehligte die Truppen der Katholischen Liga im Dreißigjährigen Krieg und war eng mit dem Wittelsbacher Hof verbunden. Sein Denkmal im nördlichen Seitenschiff ist ein bedeutendes Stück barocker Funeralkunst.
Der Teufelstritt
Nahe dem Haupteingang, in den Boden eingelassen, befindet sich eine dunkle Vertiefung, die grob die Form eines großen Fußabdrucks hat. Das ist der Teufelstritt.
Die Legende ist eine lokalisierte Version einer weit verbreiteten europäischen Volkserzählung, in der der Teufel überlistet wird, den Bau einer Kirche zu finanzieren. In der Münchner Version vereinbarte Architekt Jörg von Halsbach, die Kathedrale ohne Fenster zu bauen – als Preis für die finanzielle Unterstützung des Teufels. Als die Kathedrale fertig war, kam der Teufel zur Inspektion und stand am Eingang – an der Position der Steinmarkierung – und blickte das Kirchenschiff entlang. Von diesem genauen Blickwinkel aus sind die achteckigen Pfeiler so positioniert, dass sie die Sichtlinien auf jedes Fenster blockieren. Der Teufel, der nur Pfeiler und keine Fenster sah, glaubte, er sei um eine Kirche voller natürlichem Licht betrogen worden. Als er sich vorwärts bewegte, wurden die Fenster um die Pfeiler herum sichtbar. In seiner Wut über den Betrug stampfte er mit dem Fuß auf – und hinterließ den Abdruck.
Der architektonische Effekt ist real: Die Pfeiler sind so proportioniert und positioniert, dass von der Eingangsposition aus die Fenster im Chorumgang unsichtbar sind. Das ist eine genuine spätgotische räumliche Gestaltung, kein Mythos. Ob die Geschichte der Teufelsverwicklung historisch oder vollständig erfunden ist, der architektonische Kniff funktioniert.
Die Fußabdruckmarkierung selbst ist eine Vertiefung in einer Steinplatte, möglicherweise durch häufigen Fußverkehr an einer viel genutzten Stelle entstanden, nicht durch eine bewusste Baumaßnahme. München-Altstadt-Stadtspaziergang – schließt die Frauenkirche ein
Der Südturm: Aussichtsdeck und Ausblicke
Der Südturm hat einen Aufzug, der Besucher zur Aussichtsgalerie auf etwa 99 Meter bringt. Das ist der beste erhöhte Blick über die Altstadt und einer der schöneren Stadtausblicke in München.
Details für 2026:
- Eintritt: 7,50 € Erwachsene, 3,50 € Kinder (6–17), unter 6 kostenlos
- Zeiten: Dienstag–Sonntag, 10–17 Uhr (bei der Ankunft bestätigen, da saisonale Unterschiede bestehen)
- Zugang: Der Turmaufzugseingang befindet sich links vom südlichen Hauptportal auf dem Frauenplatz
Vom Turm aus überblickt man das Altstadt-Dachpanorama, den Neues-Rathaus-Turm, den Residenz-Komplex im Nordosten, den Englischen Garten im Norden und an klaren Herbst- und Wintertagen die Alpen im Süden. Der Alpenblick ist von Oktober bis April am zuverlässigsten – der Sommerdunst schränkt ihn häufig ein. Die Münchner Bauhöhenbeschränkung bedeutet, dass keine hohen Gebäude im Vordergrund den Blick stören.
Der Nordturm: Stand 2026 ist der Nordturm für Besucher aufgrund laufender Restaurierungsarbeiten geschlossen. Den aktuellen Stand in der Kathedrale oder auf der offiziellen Website prüfen.
Frauenkirche mit der Peterskirche vergleichen
Marienplatz bietet eine zweite Option für erhöhte Stadtausblicke: die Peterskirche (St.-Peter-Kirche), deren Turm oft Alter Peter genannt wird und direkt südlich des Marienplatzes steht. Der Peterskirchturm (Eintritt: 5 € Erwachsene, 3 € Kinder; kein Aufzug – 302 Stufen) bietet einen etwas niedrigeren Ausblick als die Frauenkirche, aber mit den Doppeltürmen der Frauenkirche im Bild – es ist wohl das klassische Münchner Foto. Wer fotografieren möchte, bekommt von der Peterskirche den besseren ikonischen Schuss. Wer den höchsten und weitesten Ausblick sucht, ist auf dem Frauenkirchturm (mit seinem Aufzug) besser aufgehoben.
Beide lohnen sich, wenn man einen ganzen Tag in der Altstadt hat. Historischer Münchner Altstadtspaziergang
Den Besuch planen
Beste Besuchszeit: Die Kathedrale ist an Wochentagen in den frühen Morgenstunden (7–9 Uhr) am ruhigsten. Touristengruppen kommen üblicherweise ab etwa 10 Uhr. Der Turm ist in der ersten Stunde nach der Öffnung (10 Uhr) weniger überfüllt. Für Innenfotos ist das Morgenlicht von den Ostfenstern in den Chor gut.
Zeit einplanen: Innenbesuch: 30–45 Minuten. Turm: weitere 30 Minuten (Aufzugwartezeit + Zeit auf der Plattform). Kombinierter Besuch einschließlich Zeit für die Chorfenster und die mittelalterlichen Gräber: 1,5 Stunden.
Gottesdienste: Die Frauenkirche ist eine aktive Kathedrale. Sonntagsmessen, Wochentagsmessen und besondere liturgische Veranstaltungen finden das ganze Jahr statt. Während der Gottesdienste können Touristenbesuche eingeschränkt sein oder Besucher gebeten werden, still zu beobachten. Den Veranstaltungsplan auf der Website der Kathedrale prüfen.
Barrierefreiheit: Das Hauptinnere ist über den südlichen Eingang mit dem Rollstuhl zugänglich. Der Turmaufzug ist barrierefrei.
In der Nähe: Die Frauenkirche liegt 5 Minuten westlich des Marienplatzes. Die Michaelskirche (Jesuitenkirche, eines der schönsten barocken Kircheninnenräume Deutschlands) liegt 5 Minuten weiter westlich in der Neuhauser Straße. Die Asamkirche liegt 10 Minuten südlich – eine private Barockkapelle von extremer dekorativer Intensität und eines der außergewöhnlichsten kleinen Gebäude Münchens.
Was die Frauenkirche im Vergleich zu anderen Münchner Kirchen einzigartig macht
München hat mehrere sehenswerte Kirchen. Die Frauenkirche ist die historisch und architektonisch bedeutendste – die Kathedrale und das prägende Wahrzeichen. In Bezug auf inneren Reichtum und barocke Dekoration ist die Asamkirche (Sendlinger Straße, 1733–46) jedoch intensiver; die Michaelskirche (Neuhauser Straße, 1597) besitzt ein hervorragendes Renaissance-Gewölbe; und die Theatinerkirche (Theatinerstraße, 1663–75, gelbe Fassade am Odeonsplatz sichtbar) zeigt das italienische Barock in seiner üppigsten Form.
Ein vollständiger Münchner Kirchenrundgang kann einen halben Tag in der Altstadt in Anspruch nehmen; der München Altstadt Guide beschreibt die logische Reihenfolge der Spaziergänge zwischen diesen Kirchen. Geführter Münchner Altstadtrundgang auf Englisch
Selbst geführte Route ab der Frauenkirche
Nach der Frauenkirche bieten sich folgende Richtungen an:
- Osten zum Marienplatz (5 Minuten): Glockenspiel und Neues-Rathaus-Turm
- Süden zum Viktualienmarkt (8 Minuten): Markt und Biergarten
- Westen zum Karlsplatz/Stachus (10 Minuten): Mittelalterliches Stadttor, Straßenbahnknotenpunkt, Zugang zu Maxvorstadt und den Pinakotheken
- Südosten zur Asamkirche (10 Minuten): Das ungewöhnlichste Barockgebäude Münchens
Für Besucher, die von der Frauenkirche zum Englischen Garten weiterwollen, führt der direkte Weg nordöstlich über die Theatinerstraße und Brienner Straße oder durch den Hofgarten – etwa 25 Gehminuten.
Häufig gestellte Fragen zur Frauenkirche
Warum sind die Frauenkirchenkuppeln grün?
Die grüne Farbe ist oxidiertes Kupfer – dieselbe Patina, die an der Freiheitsstatue und anderen großen Kupferverkleidungen zu finden ist. Die Kuppeln bestanden ursprünglich aus Kupfer und wurden über Jahrzehnte durch Oxidation grün. Diese Patinierung ist ein natürlicher Prozess, der auch als Schutzschicht wirkt; sie wird absichtlich erhalten und nicht entfernt.
Wann wurde die Frauenkirche gebaut?
Das Hauptgebäude der Frauenkirche wurde zwischen 1468 und 1488 gebaut – nur 20 Jahre, schnell für eine Kathedrale dieser Größe. Die markanten Kuppelabschlüsse auf den Türmen wurden 1525 von Lukas Rottaler hinzugefügt und ersetzen geplante Gotiktürme, die nie fertiggestellt wurden.
Kann man in der Frauenkirche einen Gottesdienst besuchen?
Ja. Die Frauenkirche hält regelmäßige Katholische Messen (täglich) ab und ist für alle Besucher offen, die daran teilnehmen möchten. Das Pontifikalamt (Feierliche Sonntagsmesse) um 10 Uhr ist der wichtigste wöchentliche Gottesdienst. Besucher, die aus touristischen Gründen kommen, werden gebeten, während der Gottesdienste respektvoll zu beobachten.
Ist die Frauenkirche das höchste Gebäude in München?
Die Türme der Frauenkirche mit 99 Metern gehören zu den höchsten Bauwerken im historischen Kern Münchens. Der Olympiaturm im Olympiapark mit 291 Metern ist das höchste Bauwerk der Stadt. Münchens Bauhöhenvorschriften für den historischen Kern beschränken Neubauten auf 100 Meter, was durch Volksabstimmung bestätigt wurde.
Was passierte mit der Frauenkirche im Zweiten Weltkrieg?
Die Frauenkirche wurde durch alliierte Bombenangriffe 1944–45 schwer beschädigt. Die Dachkonstruktion und die Fenster wurden zerstört; die Türme blieben strukturell intakt. Die Außenfassade war bis in die 1950er Jahre größtenteils wiederhergestellt; die Innenrestaurierung setzte sich bis in die 1990er Jahre fort. Einige originale mittelalterliche Glasscheiben haben in Fragmenten überlebt und wurden in restaurierte Fenster integriert.
Gibt es eine Eintrittsgebühr für die Frauenkirche?
Das Kircheninnere ist kostenlos zugänglich, mit einem Spendenkasten am Eingang. Die Aussichtsplattform des Südturms erfordert eine Eintrittskarte: 7,50 € für Erwachsene, 3,50 € für Kinder (6–17), unter 6 Jahren kostenlos.
Wofür ist die Münchner Frauenkirche berühmt?
Die Frauenkirche ist vor allem bekannt für ihre Doppeltürme mit den markanten Renaissancekuppeln, die das bekannteste Silhouettenmerkmal Münchens bilden; für die Legende des Teufelstritts am Eingang; und für die Rolle, die die 99-Meter-Turmhöhe bei der Gestaltung der Münchner Bauhöhenbeschränkung gespielt hat, die die relativ flache, menschengerechte Stadtgestalt der Stadt bewahrt hat.
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