Skip to main content
Hitlerputsch 1923: Münchens gescheiterter Staatsstreich — der komplette Guide

Hitlerputsch 1923: Münchens gescheiterter Staatsstreich — der komplette Guide

Was war der Hitlerputsch und wo ereignete er sich?

Der Hitlerputsch war ein gescheiterter Staatsstreichversuch Hitlers und der NSDAP am 8.–9. November 1923 in München, der im Bürgerbräukeller im Stadtteil Haidhausen begann. Am Abend des 8. November unterbrach Hitler eine politische Veranstaltung, feuerte einen Pistolenschuss in die Decke und erklärte die nationale Revolution. Am folgenden Tag wurde ein Marsch von etwa 2.000 bewaffneten Anhängern zur Feldherrnhalle am Odeonsplatz gestoppt, wo eine Konfrontation mit der Polizei 16 Putschisten und 4 Polizeibeamte das Leben kostete.

Die Nacht, in der München beinahe gestürzt wurde

Am Abend des 8. November 1923 drängte sich gegen 20:30 Uhr ein Mann im schwarzen Gehrock durch den überfüllten Hauptsaal des Bürgerbräukellers in Münchens Stadtteil Haidhausen. Er kletterte auf einen Stuhl, feuerte eine Pistole in die Decke und rief: „Die nationale Revolution hat begonnen! Der Saal ist von 600 schwer bewaffneten Männern umstellt. Niemand verlässt den Saal.”

Der Redner war Adolf Hitler. Der Mann am Rednerpult, den er unterbrochen hatte — Gustav Ritter von Kahr, der Bayerische Generalstaatskommissar — war mitten in einer Rede vor etwa 3.000 Münchner Geschäftsleuten, Politikern und Beamten. Der Abend sollte den Verlauf der deutschen Geschichte verändern — jedoch nicht in der von Hitler beabsichtigten Richtung.

Der Hitlerputsch vom 8.–9. November 1923 war ein gescheiterter Staatsstreichversuch, der 20 Menschen das Leben kostete und Hitler ins Gefängnis brachte. Er war zugleich das Ereignis, das ihn vom regionalen Agitator zur nationalen Figur machte und ihn zur Entwicklung jener Wahlkampfstrategie zwang, die ihm ein Jahrzehnt später die Macht bringen sollte.

München war der einzige Ort, an dem sich dies so hätte ereignen können. Die Stadt war gleichzeitig die politische Basis der noch jungen NSDAP, Hauptstadt einer bayerischen Staatsregierung, die selbst in offenem Spannungsverhältnis zur Berliner Zentralregierung stand, und eine Stadt, die noch immer unter dem Trauma der Gewalt der nachrevolutionären Phase nach dem Ersten Weltkrieg litt.

Hintergrund: Weimarer Hyperinflation und bayerischer Separatismus

Um zu verstehen, warum der Putsch stattfand, muss man die Krise des Jahres 1923 verstehen. Die Weimarer Republik sah sich gleichzeitig mit Hyperinflation, der französisch-belgischen Besetzung des Ruhrgebiets und einem politischen System konfrontiert, das seine Gegner sowohl von links als auch von rechts als illegitim betrachteten.

Im November 1923 kostete ein Laib Brot in Deutschland mehrere Milliarden Mark. Über Jahrzehnte angesammelte Ersparnisse waren ausgelöscht worden. Die Mittelschicht — Freiberufler, Kleinunternehmer, Beamte — war in einer Weise ruiniert, die die Arbeiterklasse, die wenig anzusparen hatte, nicht in gleicher Weise traf. Diese Gruppe bildete den Kern der frühen NSDAP-Anhängerschaft.

Bayern hatte seine eigenen Schwierigkeiten. Die bayerische Staatsregierung unter Kahr führte de facto eine eigenständige konservativ-nationalistische Verwaltung mit begrenzter Rücksichtnahme auf Berlin. Eine Fraktion innerhalb dieser Regierung sympathisierte mit einer nationalistischen Revolution, aber Kahrs Version der Revolution war bayerisch geführt und monarchistischen Charakters — nicht nach Hitlers Vorstellung. Dieser Unterschied war für den Ausgang des Putsches von entscheidender Bedeutung.

Die NSDAP hatte 1923 etwa 55.000 Mitglieder, mit Schwerpunkt in München. Hitler war 34 Jahre alt. Sein politisches Vorbild war der Marsch auf Rom vom Oktober 1922, in dem Mussolini auf die italienische Hauptstadt marschiert und seine Ernennung zum Ministerpräsidenten erzwungen hatte. Hitler glaubte, dass etwas Ähnliches in Deutschland möglich sei — beginnend in München und dann ausgeweitet nach Berlin.

Der Bürgerbräukeller: 8. November 1923

Der Bürgerbräukeller in der Rosenheimer Straße 5 war ein großes Münchner Bierlokal mit einer Kapazität von mehreren Tausend Personen. Am 8. November hatte Kahr eine öffentliche Ansprache zur politischen Lage organisiert. Unter den Zuhörern befanden sich die führenden Vertreter des Münchner konservativen Establishments.

Hitlers Kräfte hatten wochenlang geplant. SA-Einheiten umstellten das Gebäude, noch bevor Kahr zu sprechen begann. Stoßtrupps schoben ein Maschinengewehr herein, das auf die Menge gerichtet war. Um 20:30 Uhr feuerte Hitler seine Pistole in die Decke — das Einschussloch soll jahrelang als Besonderheit gezeigt worden sein — und forderte das Rednerpult.

Er drängte Kahr, Lossow und Seisser unter Waffengewalt in ein Nebenzimmer. Erich Ludendorff, der Weltkriegsgeneral und nationalistische Galionsfigur, den Hitler als angesehenen Verbündeten gewonnen hatte, traf später ein und verlieh den Vorgängen Autorität. Nach Verhandlungen, die von Drohungen bis zu patriotischen Appellen reichten, stimmten alle drei Beamten mündlich zu, den Putsch zu unterstützen. Sie wurden dann entlassen, um „ihre Pflichten zu erfüllen” — ein katastrophaler Fehler Hitlers.

Sobald sie das Gebäude verlassen hatten, begannen Kahr und Lossow mit den Vorbereitungen zur Unterdrückung des Putsches. Kahr zog sich in ein Regierungsgebäude zurück und erklärte seine erpressten Zusagen für nichtig. Lossow kontaktierte die Reichswehr. In den frühen Morgenstunden des 9. November bezogen staatliche Kräfte Stellungen an Polizeipositionen in ganz München. Stadtführung: Drittes Reich und Zweiter Weltkrieg in München — mit Halt an der Feldherrnhalle

9. November 1923: Der Marsch und die Feldherrnhalle

Am Morgen des 9. November standen Hitler und seine Verbündeten vor einer Entscheidung: den Putsch aufgeben oder ihn vorantreiben. Ludendorff, dessen militärisches Prestige für den Plan von zentraler Bedeutung war, weigerte sich zurückzuweichen. Die Entscheidung fiel, zu marschieren.

Gegen 12 Uhr mittags versammelte sich eine Kolonne von rund 2.000 bewaffneten SA-Männern und Anhängern vor dem Bürgerbräukeller und marschierte durch die Münchner Straßen in Richtung Innenstadt. Hitler war in der ersten Reihe, ebenso Ludendorff, Hermann Göring und andere NSDAP-Führungsfiguren. Sie trugen Hakenkreuzfahnen und Waffen.

Der Weg führte sie über die Ludwigsbrücke, durch das Isartor und die Tal entlang bis zum Marienplatz, von wo sie nach Norden durch die Weinstraße abbogen. Am Odeonsplatz wurde die Kolonne im engen Durchgang neben der Feldherrnhalle aufgehalten — einer neoklassischen Loggia, die bayerischen Kriegshelden gewidmet ist und 1844 nach dem Vorbild der Loggia dei Lanzi in Florenz errichtet wurde.

Die Landespolizei hatte mit Gewehren quer über den Durchgang Stellung bezogen. Wer zuerst geschossen hat, konnte nie zweifelsfrei geklärt werden. Der Schusswechsel dauerte etwa 30 bis 60 Sekunden. Als er endete, lagen 16 NSDAP-Mitglieder und 4 Polizeibeamte tot oder sterbend auf der Straße. Hitler, neben einem Mann, der getötet worden war, verenkte sich die Schulter, als er zu Boden gerissen wurde. Er wurde anschließend in einem wartenden Auto vom Tatort gebracht.

Ludendorff — mit außerordentlichem Mut oder außerordentlicher Gleichgültigkeit — durchschritt die Polizeikette und wurde auf der anderen Seite verhaftet.

Hitlers Verhaftung und der Landsberger Prozess

Hitler flüchtete aus München und wurde zwei Tage lang in der Villa seines amerikanischen Förderers Ernst Hanfstaengl in Uffing am Staffelsee versteckt. Am 11. November wurde er dort verhaftet — in dem, was er später als Moment völliger Verzweiflung beschrieb, in dem er Selbstmord erwogen habe.

Der Prozess wegen Hochverrats fand vom 26. Februar bis 1. April 1924 in München statt. Die Verhandlungen waren außergewöhnlich. Der Vorsitzende Richter Georg Neithardt sympathisierte mit der nationalistischen Sache und ließ Hitler weit mehr Spielraum, als das normale Gerichtsverfahren erlaubt. Hitler nutzte den Prozess als Plattform für nationalistische Reden, über die deutsche und internationale Presse ausführlich berichteten. Anstatt sich gegen den Hochverratsvorwurf zu verteidigen, bekannte er sich dazu: Er habe versucht, Verrat an den „Novemberverbrechern” von 1918 zu begehen.

Das Urteil lautete auf fünf Jahre Festungshaft in Landsberg mit der Möglichkeit der Bewährung nach sechs Monaten — die gesetzliche Mindeststrafe. Mehrere der anderen Angeklagten erhielten mildere Strafen oder wurden freigesprochen. Ludendorff wurde vollständig freigesprochen, ein Urteil, das die Anklagebehörde als nationale Blamage betrachtete.

Hitler verbüßte etwa acht Monate in Landsberg am Lech, einer Festung etwa 65 Kilometer westlich von München. Seine Haftbedingungen waren komfortabel: Er hatte ein Einzelzimmer, empfing zahlreiche Besucher und wurde eher wie ein politischer Gefangener als ein Krimineller behandelt. Rudolf Hess, der sich freiwillig gestellt hatte und zusammen mit ihm inhaftiert war, schrieb unter Hitlers Diktat den ersten Band von Mein Kampf nieder. Hitler wurde am 20. Dezember 1924 entlassen. Geführte Tour: Geburtsstätte des Dritten Reiches in München

Die Feldherrnhalle: ein NS-Pilgerort und Anti-Pilgerort

Nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten 1933 wurde die Feldherrnhalle zu einem heiligen Ort der NS-Ideologie. Die Toten des Putsches wurden zu Märtyrern der Bewegung erklärt, und die Stelle, an der sie gefallen waren, wurde 1933 mit einer Gedenktafel markiert. SS-Wachen wurden postiert, und jeder, der am Ehrenmal vorbeiging, war verpflichtet, den Hitlergruß zu zeigen.

Ein erheblicher Teil der Münchner Bevölkerung begann, Umwege durch eine Parallelgasse zu nehmen — die Viscardigasse, heute im Volksmund „Drückebergergasse” genannt —, um sowohl dem Denkmal als auch dem Pflichtgruß zu entgehen. Dieser bescheidene Akt alltäglichen Ungehorsams ist eines der kleinen historischen Details, das Münchner Stadtführer mit überdurchschnittlichem historischen Wissen zu erwähnen pflegen.

Nach 1945 wurde das Denkmal entfernt. Die Feldherrnhalle ist heute genau das, wozu sie 1844 gebaut wurde: ein neoklassisches Architekturelement am nördlichen Ende der Residenzstraße, flankiert von zwei Löwenskulpturen. Sie dient heute vor allem als Kulisse für Open-Air-Konzerte, politische Kundgebungen verschiedener Art und Touristenfotos.

Der Marienplatz-Guide behandelt die Umgebung ausführlicher, einschließlich des Wegs vom Marienplatz durch die Theatinerstraße.

Das NS-Dokumentationszentrum

Das Dokumentationszentrum für die Geschichte des Nationalsozialismus (NS-Dokumentationszentrum) öffnete am 1. Mai 2015 in der Brienner Straße in Maxvorstadt — genau 70 Jahre nach Deutschlands Kapitulation. Es befindet sich auf dem Gelände der ehemaligen NSDAP-Zentrale, dem Braunen Haus, das nach dem Krieg abgerissen wurde.

Die Dauerausstellung „München und der Nationalsozialismus” verfolgt die Rolle der Stadt auf vier Stockwerken: von den Gründungsjahren der NSDAP über den Krieg, den Holocaust bis zur Nachkriegszeit. Das Gebäude der Berliner Architekten Brückner und Brückner verwendet einen weißen Betonkubus mit einem vollhoch verglasten Innenatrium, das von oben belichtet wird. Die Ausstellung ist wissenschaftlich im Ton und stützt sich auf Originaldokumente, Fotografien und Zeitzeugenberichte anstatt auf dramatisierende Rekonstruktionen.

Praktische Informationen:

  • Adresse: Brienner Straße 34, 80333 München (U2 Königsplatz)
  • Öffnungszeiten: Dienstag–Sonntag 10:00–19:00 Uhr, montags geschlossen
  • Eintritt: 9 Euro für Erwachsene, kostenlos für unter 18-Jährige
  • Für die Dauerausstellung sollte man 2–3 Stunden einplanen
  • Englischsprachiger Audioguide erhältlich

Der NS-Dokumentationszentrum München enthält ausführlichere praktische Informationen zum Besuch.

Das Gelände des Bürgerbräukellers heute

Der ursprüngliche Bürgerbräukeller wurde 1979 abgerissen. Das Grundstück an der Rosenheimer Straße in Haidhausen wurde anschließend mit dem Hilton München City Hotel und einer Konzert- und Veranstaltungshalle bebaut. Eine kleine Gedenkanlage — der Erinnerungsort Bürgerhaus Bürgerbräu — dokumentiert die historische Bedeutung des Geländes.

Ein weiterer historischer Hinweis: Am 8. November 1939 — genau 16 Jahre nach dem Putsch — explodierte eine in einer Säule des Bürgerbräukellers versteckte Bombe (der damals umfangreich renoviert und noch als Veranstaltungsort genutzt wurde) 13 Minuten nachdem Hitler das Gebäude verlassen hatte. Die Bombe wurde von Georg Elser gebaut, einem schwäbischen Schreiner, der vollständig allein handelte. Acht Menschen wurden getötet, 63 verletzt. Hitler überlebte. Elser wurde gefasst, im KZ Dachau inhaftiert und im April 1945, kurz vor Kriegsende, hingerichtet. Private oder Kleingruppen-Stadtführung Drittes Reich und Zweiter Weltkrieg

Besuch der Stätten des Hitlerputsches: praktische Informationen

Die wichtigsten Gedenk- und Dokumentationsstätten im Zusammenhang mit dem Putsch sind:

Feldherrnhalle am Odeonsplatz: kostenlos, jederzeit zugänglich. U3/U6 bis Odeonsplatz. Der ursprüngliche Durchgang, an dem die Konfrontation stattfand, ist der enge Spalt zwischen Feldherrnhalle und Theatinerkirche.

NS-Dokumentationszentrum in der Brienner Straße: die gründlichste institutionelle Aufarbeitung der Epoche, 9 Euro für Erwachsene, montags geschlossen. U2 bis Königsplatz.

Bürgerbräukeller-Gelände in der Rosenheimer Straße: keine offizielle Ausstellung, aber die Adresse (heute das Hilton Hotel) ist historisch belegt, und eine Tafel weist auf die Bedeutung hin. S-Bahn bis Rosenheimer Platz.

Landsberg am Lech (Ort der Inhaftierung Hitlers): etwa 65 km westlich von München, mit der Bahn erreichbar (ca. 1 Stunde auf der BOB-Linie Richtung Kaufbeuren, Umsteigen in Kaufering). Das ehemalige Gefängnis ist noch als Justizvollzugsanstalt in Betrieb und nicht öffentlich zugänglich, aber die Stadt Landsberg selbst hat ein Stadtmuseum mit Dokumentation der Epoche.

Die meisten organisierten Stadtführungen zur NS-Geschichte in München schließen die Feldherrnhalle als Station ein und erklären den Putsch im historischen Kontext. Der Münchner Dritte-Reich-Rundgang behandelt diese Führungen ausführlicher.

Für Besucher, die dies mit der breiteren Zeitgeschichte verbinden möchten: Der Die Weiße Rose behandelt die Studentenwiderstandsbewegung an der LMU München, und der KZ-Gedenkstätte Dachau informiert über die KZ-Gedenkstätte. Private geführte Tour Drittes Reich und Zweiter Weltkrieg

Der Putsch in der Rückschau: Münchens unbequeme Zentralrolle

Münchens Rolle als Geburtsort des Nationalsozialismus ist eine Tatsache, mit der die Stadt je nach Zeitraum unterschiedlich direkt umgegangen ist. In den unmittelbaren Nachkriegsjahren betonten viele Münchner lieber ihre eigene Opferrolle unter dem Regime — die Zerstörung der Stadt, die Zwangsrekrutierung, das zivile Leid. Die Rolle Münchens als begeisterte frühe Basis der NSDAP wurde dabei zurückgehalten.

Die Eröffnung des NS-Dokumentationszentrums 2015 markierte einen Wendepunkt in der offiziellen Aufarbeitung. Die Ausstellung beschönigt Münchens Beteiligung nicht. Sie dokumentiert die enthusiastische frühe Übernahme der NS-Ideologie in der Stadt, die Rolle von Münchens Wirtschafts- und Berufseliten bei der Ermöglichung der Bewegung und den lokalen bürokratischen Apparat, der die Verfolgung umsetzte.

Diese Ehrlichkeit ist sowohl pädagogisch wertvoll als auch kommerziell heikel — München ist heute gleichzeitig eines der beliebtesten Reiseziele Deutschlands und die Stadt, in der die zerstörerischste politische Bewegung des 20. Jahrhunderts geboren, finanziert und organisiert wurde. Die Stadt bewältigt dies, indem sie ernsthafte Bildungsinfrastruktur bereitstellt (NS-Dokumentationszentrum, DenkStätte Weiße Rose, KZ-Gedenkstätte Dachau), ohne die NS-Zeit zum dominierenden Teil ihrer touristischen Identität werden zu lassen.

Besucher, die Münchens Charakter vollständig verstehen wollen, brauchen beides: Residenz und Nymphenburg, aber auch Feldherrnhalle und NS-Dokumentationszentrum.

Häufig gestellte Fragen zum Hitlerputsch

Warum wählte Hitler eine Bierhalle für den Putsch?

Der Bürgerbräukeller wurde nicht zufällig gewählt. Er war einer der größten öffentlichen Versammlungsräume in München, mit einer Kapazität von mehreren Tausend Personen, und der Schauplatz einer vorangekündigten Rede von Kahr, die die Anwesenheit des politischen Establishments der Stadt garantierte. Die Zuhörer als faktisch festgehaltene politische Geiseln zu nutzen, war ein zentraler Teil des Plans.

Welche langfristigen Folgen hatte der Putschprozess?

Der Prozess verschaffte Hitler eine nationale öffentliche Plattform, die weit über das hinausging, was die NSDAP durch normale politische Organisationsarbeit hätte erreichen können. Auslandskorrespondenten berichteten über die Verhandlungen. Das vergleichsweise milde Strafmaß signalisierte, dass es im deutschen Rechtssystem sympathisierende Richter gab. Die Haftzeit gab Hitler ungestörte Zeit, Mein Kampf zu schreiben und seine politische Strategie nach der Entlassung zu planen.

Gibt es ein Museum speziell zum Hitlerputsch?

Es gibt kein Museum, das ausschließlich dem Putsch gewidmet ist, aber das NS-Dokumentationszentrum in der Brienner Straße behandelt ihn ausführlich im Rahmen seiner umfassenderen Ausstellung zu München und dem Nationalsozialismus. Einige Spezialführungen konzentrieren sich ausschließlich auf die Ereignisse von 1923 und besuchen das Bürgerbräukeller-Gelände, die Feldherrnhalle und die ehemalige politische Geographie der NSDAP.

Wie beeinflusste Mussolinis Marsch auf Rom Hitlers Planung?

Hitler modellierte den Putsch offen nach Mussolinis erfolgreicher Machtübernahme im Oktober 1922. Er glaubte, dieselbe Dynamik — ein paramilitärischer Marsch auf die Hauptstadt kombiniert mit der Einschüchterung des herrschenden Establishments — könne in Deutschland repliziert werden, beginnend in München und nach Norden bis Berlin ausgedehnt. Der entscheidende Unterschied war, dass Mussolini die Duldung des italienischen Königs und des Militärs hatte; Hitler konnte keine vergleichbare Unterstützung von Kahr und Lossow erlangen, sobald sie nicht mehr unmittelbarem Druck ausgesetzt waren.

Was geschah mit der NSDAP, während Hitler im Gefängnis saß?

Die NSDAP wurde nach dem Putsch offiziell verboten. Die Führung zersplitterte sich in verschiedene Fraktionen, während Hitler in Landsberg war. Nach seiner Entlassung im Dezember 1924 baute er die Partei von Grund auf neu auf, diesmal mit einem ausdrücklichen Bekenntnis zur Machterlangung über Wahlen statt durch bewaffneten Aufstand. Die Wahlergebnisse Ende der 1920er Jahre waren zunächst bescheiden — die NSDAP kam 1928 auf etwa 3 Prozent —, aber die Weltwirtschaftskrise von 1929 veränderte die politische Landschaft grundlegend.

Wo kann ich Fotografien des Bürgerbräukellers sehen?

Das NS-Dokumentationszentrum verfügt über Archivfotografien des Innenraums des Bürgerbräukellers und der Putschereignisse. Das Stadtarchiv München besitzt umfangreiche fotografische Dokumentation der Epoche und ist für Forscher zugänglich.

Top-Erlebnisse

Buchbare Aktivitäten mit geprüften Preisen und sofortiger Bestätigung über GetYourGuide.