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NS-Dokumentationszentrum München – Ausstellungsführer und Besucherinformationen

NS-Dokumentationszentrum München – Ausstellungsführer und Besucherinformationen

Was ist das NS-Dokumentationszentrum in München?

Das NS-Dokumentationszentrum (Dokumentationszentrum zum Nationalsozialismus) ist Münchens Hauptinstitution für Forschung und öffentliche Bildung zur Geschichte des Nationalsozialismus. Es befindet sich in der Brienner Straße 34 – dem ehemaligen Standort der NSDAP-Reichszentrale – wurde im Mai 2015 eröffnet und enthält eine Dauerausstellung auf vier Stockwerken. Eintritt 7 Euro; geöffnet Dienstag bis Sonntag.

Das Gebäude und sein Standort

Das NS-Dokumentationszentrum steht in der Brienner Straße 34, Maxvorstadt – ein weißer Kubus, bewusst streng, auf dem Gelände der ehemaligen NSDAP-Reichszentrale. Die Adresse ist dieselbe wie das „Braune Haus”, das braun gestrichene Palazzo der Partei, das ab 1930 hier stand und mit Mitteln erworben worden war, die teilweise durch den Verkauf von Mitgliedsdokumenten gesammelt wurden. Das Braune Haus wurde durch alliierte Bombenangriffe beschädigt und nach dem Krieg abgerissen, sodass ein leeres Grundstück zurückblieb, das jahrzehntelang ungenutzt blieb, während München diskutierte, was damit geschehen sollte.

Die Entscheidung, ein Dokumentations- und Bildungszentrum statt eines Geschäftsgebäudes oder Parks zu errichten, war das Ergebnis jahrzehntelanger bürgerlicher Diskussionen. Das NS-Dokumentationszentrum eröffnete im Mai 2015 – 70 Jahre nach Kriegsende – entworfen von dem Berliner Architekturbüro Georg Scheel Wetzel. Das schlichte weiße Äußere des Gebäudes kontrastiert bewusst mit den prunkvollen Gebäuden aus dem 19. Jahrhundert in der Brienner Straße. Die Entscheidung, keinen historischen Wiederaufbau zu versuchen und die Neuheit des Gebäudes nicht zu verbergen, war beabsichtigt.

Der historische Kontext: Brienner Straße und die „Parteiachse”

Um das NS-Dokumentationszentrum zu verstehen, hilft es, den umgebenden Bezirk zu verstehen. In den 1930er Jahren verwandelten die Nationalsozialisten das Gebiet zwischen Brienner Straße, Arcisstraße, Meiserstraße und Karolinenplatz in einen kompakten Verwaltungsknotenpunkt für die Partei.

An der Brienner Straße 34 das Braune Haus. In der Arcisstraße 12 der Führerbau – Hitlers offizielles Münchner Empfangsgebäude und Konferenzzentrum, wo das Münchner Abkommen von 1938 unterzeichnet wurde. Gegenüber dem Führerbau der Verwaltungsbau, ein Verwaltungsgebäude mit Parteibüros. Das Ensemble bildete die sogenannte „Ehrentempelzone” – ein bewusster Versuch, in der ohnehin prestige­trächtigsten Wohn- und Kulturstraße Münchens einen architektonischen Ausdruck der Parteimacht zu schaffen.

Der Führerbau in der Arcisstraße 12 überlebt heute als Hochschule für Musik und Theater. Das ehemalige Verwaltungsgebäude ist nun das Verwaltungsgebäude der Staatlichen Sammlung für Ägyptische Kunst. Die ursprüngliche NS-zeitliche Straßenanlage – einschließlich des gepflasterten Forums zwischen den beiden Gebäuden, wo das Münchner Abkommen unterzeichnet wurde – ist noch sichtbar.

Die meisten geführten Münchner Stadtrundgänge zur NS-Geschichte behandeln diesen Bezirk im Detail. Ein Rundgang vor dem Eintreten in das NS-Dokumentationszentrum vermittelt eine nützliche physische Orientierung.

Die Dauerausstellung: Struktur und Inhalt

Die Dauerausstellung – „München und der Nationalsozialismus” – belegt vier oberirdische Stockwerke des Gebäudes. Die Ausstellung ist in ihrer Gesamtstruktur chronologisch, innerhalb jedes Stockwerks jedoch thematisch gegliedert.

Erdgeschoss: Kontext

Das Erdgeschoss stellt Münchens politische und gesellschaftliche Landschaft vor 1933 vor: die Auswirkungen des Ersten Weltkriegs, die Novemberrevolution 1918, die kurzlebige Münchner Räterepublik 1919 und die Bedingungen von Hyperinflation und politischer Instabilität, in denen die NSDAP fruchtbaren Boden fand. Die Ausstellung kontextualisiert, warum München – eine kunstorientierte, kosmopolitische, katholische Stadt – zum Nährboden einer Bewegung radikalen rechten Nationalismus wurde.

Erstes Obergeschoss: Aufstieg und Konsolidierung

Das erste Obergeschoss behandelt das Wachstum der NSDAP, den Hitlerputsch von 1923, Hitlers Prozess und Gefangenschaft sowie den legalen Weg der Partei zur Macht von 1930 bis 1933. Es dokumentiert speziell Münchens Rolle: die Rolle der Münchner Zeitungen, Geschäftsleute, aristokratischer Unterstützer und Volksbewegungen bei der Ermöglichung des NSDAP-Erfolgs. Der Historienführer zum Hitlerputsch bietet eine tiefergehende Behandlung dieser Periode.

Die Ausstellung stellt den NS-Aufstieg nicht als unvermeidlich oder als Werk eines einzelnen Mannes dar. Sie betont Entscheidungen, die von echten Menschen getroffen wurden – Finanziers, Politiker, Journalisten, Wähler – und ist besonders aufmerksam gegenüber den spezifischen Weisen, wie Münchens soziale Netzwerke die Bewegung ermöglichten.

Zweites Obergeschoss: Verfolgung und Krieg

Das zweite Obergeschoss dokumentiert die systematische Verfolgung von Juden, politischen Gegnern, Behinderten, Roma und Sinti und anderen unter NS-Herrschaft, von den frühen Boykotten 1933 über Deportationen und den Holocaust. Münchens spezifische Rolle ist dokumentiert – die Zerstörung der Ohel-Jakob-Synagoge in der Reichspogromnacht, die Deportation der Münchner jüdischen Bevölkerung ab 1941, die Beziehung des Konzentrationslagers Dachau zum Münchner Verwaltungsapparat.

Dieses Stockwerk enthält die erschütterndsten Archivfotografien und Dokumente der Ausstellung. Die Ausstellung verweilt nicht aus Selbstzweck auf Gräueltaten, minimiert diese aber auch nicht.

Der Dachau-Gedenkstättenführer bietet Informationen zum Besuch des Konzentrationslagers, das unter direkter administrativer Aufsicht aus München betrieben wurde.

Drittes Obergeschoss: Besatzung, Widerstand und Befreiung

Das dritte Obergeschoss behandelt die Kriegszeit – Münchens Erfahrung mit alliierten Bombardierungen (74 Angriffe von 1940 bis 1945, etwa 6.000 Ziviltodesopfer), Widerstandsakte einschließlich der Weißen-Rose-Gruppe an der Ludwig-Maximilians-Universität und die Befreiung Münchens durch amerikanische Truppen am 30. April 1945.

Der Weiße-Rose-Abschnitt ist besonders gründlich und dokumentiert die Flugblätter, die Verhaftung von Sophie und Hans Scholl und anderer Mitglieder, ihren Prozess vor dem Volksgerichtshof in Berlin und ihre Hinrichtung am 22. Februar 1943. Der Die Weiße Rose behandelt die mit dieser Geschichte verbundenen Münchner Orte.

Viertes Obergeschoss: Nachfolge und Erinnerung

Das vierte Stockwerk befasst sich mit Fragen, die in gewisser Weise die unbequemsten sind: das Verhältnis des Nachkriegs-Münchens zu seiner NS-Vergangenheit, der langsame Prozess der Entnazifizierung, die rechtlichen Schritte gegen Täter und die jahrzehntelange Verzögerung, bis München diese Institution gründete. Die Ausstellung fragt – ohne falsche Bescheidenheit –, warum München bis 2015 brauchte, um ein eigenes Dokumentationszentrum zu eröffnen, während Berlin 2010 seine Topographie des Terrors und Nürnberg 2001 sein Dokumentationszentrum eröffnet hatte.

Praktische Besuchsinformationen

Praktische Informationen

  • Adresse: Brienner Straße 34, 80333 München
  • Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, 10:00 bis 19:00 Uhr. Montags und an bestimmten Feiertagen geschlossen.
  • Eintritt: Erwachsene 7 Euro. Ermäßigt (Studenten, Senioren, München-Card-Inhaber) 3,50 Euro. Unter 18: kostenlos.
  • Anreise: U2 nach Königsplatz (3 Minuten Fußweg). Alternativ U1/U2 zum Odeonsplatz und westlich entlang der Brienner Straße (10 Minuten).
  • Audioführer: Am Empfangstresen erhältlich. Mehrsprachig. Empfohlen für unabhängige Besucher ohne Führung.
  • Buchladen: Gut sortiert mit wissenschaftlichen und populären Geschichtsbüchern auf Deutsch und Englisch. Der eigene Ausstellungskatalog des Zentrums ist ein lohnenswerter Kauf.
  • Café: Ein Erdgeschoss-Café ist während der Ausstellungszeiten geöffnet. Kaffee und leichte Mahlzeiten verfügbar.
  • Barrierefreiheit: Das Gebäude hat vollständigen Aufzugszugang. Alle Stockwerke sind rollstuhlgerecht. Barrierefreie Toilettenanlagen vorhanden.

Wie man das NS-Dokumentationszentrum mit anderen Orten kombiniert

Das Zentrum funktioniert am besten in Kombination mit einem Spaziergang durch den umgebenden Bezirk. Gehen Sie vor dem Eintreten vom Odeonsplatz entlang der Brienner Straße (15 Minuten) und achten Sie auf die Feldherrnhalle, die Theatinerkirche, das frühere Vier Jahreszeiten Hotel (historisch bedeutsam in der Putsch-Ära) und die erhaltenen NS-zeitlichen Verwaltungsgebäude rund um den Königsplatz. Besichtigen Sie nach dem Zentrumsbesuch den Führerbau-Außenbereich in der Arcisstraße 12 und den Forumsraum zwischen ihm und dem ehemaligen Verwaltungsgebäude. birthplace of the Third Reich guided walking tourbirthplace of the Third Reich guided walking tourVerfügbarkeit prüfen

Eine geführte Begehung des Bezirks liefert historische Erzählung für die Außenorte, die das NS-Dokumentationszentrum nicht abdeckt. Die meisten qualitativ hochwertigen Führungen beginnen oder enden in der Nähe des Zentrums und können mit einem unabhängigen Besuch der Ausstellung kombiniert werden.

Für Besucher mit begrenzter Zeit: Wenn Sie nur eine Indoor-Institution zur Münchner NS-Geschichte besuchen können, ist das NS-Dokumentationszentrum die richtige Wahl. Es ist kontextueller und weniger überwältigend als Dachau für einen Einführungsbesuch, dabei substanziell genug.

Für Besucher, die eine vollständige Abdeckung anstreben: Planen Sie das NS-Dokumentationszentrum für einen Vormittag oder Nachmittag ein und Dachau als separaten halben Tag, idealerweise nicht an aufeinanderfolgenden Tagen. Das emotionale Gewicht beider Orte an einem Tag ist erheblich.

Das Münchner Abkommen von 1938 – die Führerbau-Verbindung

Da das NS-Dokumentationszentrum neben dem Führerbau liegt, fragen Besucher oft nach dem Münchner Abkommen. Am 30. September 1938 trafen der britische Premierminister Neville Chamberlain, der französische Ministerpräsident Édouard Daladier, der italienische Ministerpräsident Mussolini und Adolf Hitler im Führerbau in der Arcisstraße 12 zusammen und unterzeichneten ein Abkommen, das das tschechoslowakische Sudetenland an Deutschland übereignete. Chamberlain kehrte nach London zurück und erklärte „Frieden für unsere Zeit.”

Weniger als sechs Monate später besetzte Hitler den Rest der Tschechoslowakei unter Verletzung des Abkommens. Elf Monate nach München marschierte er in Polen ein. „München” wurde zum Wort für das Scheitern der Beschwichtigungspolitik – eine Lektion, was passiert, wenn demokratische Regierungen autoritären Staaten in der Hoffnung territoriale Zugeständnisse machen, Konflikte zu vermeiden.

Der Führerbau hat noch den ursprünglichen Raum, in dem das Abkommen unterzeichnet wurde, obwohl das Gebäude als Musikhochschule genutzt wird und für die Öffentlichkeit im Allgemeinen nicht zugänglich ist. Die Ausstellung des NS-Dokumentationszentrums behandelt das Abkommen und seinen Kontext.

Die Institution im Kontext

Das NS-Dokumentationszentrum ist kein Holocaust-Gedenkstätte nach dem Muster des Berliner Denkmals für die ermordeten Juden Europas, noch ein KZ-Gelände nach dem Muster von Dachau. Es ist eine Geschichts- und Bildungsinstitution mit spezifischem Fokus auf Münchens Beziehung zum Nationalsozialismus – wie die Bewegung hier entstand, wie das politische und kulturelle Umfeld der Stadt sie ermöglichte und was mit München und seinen Bewohnern unter NS-Herrschaft geschah.

Dieser Fokus auf Münchens spezifische Handlungsfähigkeit und Mitschuld – statt auf einen allgemeinen Bericht des Dritten Reichs – ist der markanteste Beitrag des Zentrums. Es erlaubt München nicht, sich rein als Opfer nationaler Kräfte zu sehen, sondern besteht darauf, lokale Entscheidungen und lokale Verantwortung zu untersuchen. Für Besucher von außerhalb Deutschlands, die die breiten Umrisse der NS-Geschichte kennen, aber weniger über Münchens spezifische Rolle, ist dies eine wertvolle Rahmensetzung.

Der München im Zweiten Weltkrieg bietet einen breiteren chronologischen Rahmen für den in der Ausstellung behandelten Zeitraum.

Häufig gestellte Fragen zum NS-Dokumentationszentrum

Gibt es eine Verbindung zwischen dem NS-Dokumentationszentrum und Dachau?

Die beiden Institutionen sind unabhängig. Das NS-Dokumentationszentrum ist ein stadtfinanziertes historisches Bildungszentrum mit Fokus auf Münchens Beziehung zum Nationalsozialismus. Die KZ-Gedenkstätte Dachau ist eine Gedenkstätte und ein Dokumentationszentrum am ehemaligen Lagergelände. Sie ergänzen sich: Das NS-Dokumentationszentrum liefert politischen und sozialen Kontext; Dachau vermittelt unmittelbaren Kontakt mit dem, was aus dieser politischen Bewegung resultierte.

Kann ich ein Münchner Stadtmuseum-Ticket im NS-Dokumentationszentrum nutzen?

Die beiden Institutionen sind eigenständig. Es gibt jedoch ein Kombiticket „3 Münchner Museen” für das NS-Dokumentationszentrum, das Lenbachhaus und das Münchner Stadtmuseum – aktuelle Verfügbarkeit bitte in einem der drei Häuser erfragen.

Gibt es Sonderausstellungen im NS-Dokumentationszentrum?

Ja. Das Zentrum veranstaltet regelmäßig Sonderausstellungen zu verwandten Themen – Widerstandsbewegungen, spezifische Opfergruppen, Nachkriegsjustiz, aktuelle Fragen des historischen Gedächtnisses. Aktuelle Programmierungen finden Sie auf der Website des Zentrums vor Ihrem Besuch.

Ist es angemessen, das NS-Dokumentationszentrum mit einem Biergarten- oder Oktoberfest-Besuch am gleichen Tag zu kombinieren?

Die Besuchererfahrungen variieren. Manche Menschen finden, dass der Nachmittag nach einem Morgenbesuch im NS-Dokumentationszentrum am besten in ruhiger Reflexion verbracht wird. Andere empfinden den Kontrast zu Münchens bürgerlicher Normalität – dem Englischen Garten, einem Biergarten, einem Spaziergang an der Isar – als bedeutungsvolles Gegenmittel zum Gewicht der Ausstellung. Es gibt keinen einzigen „richtigen” Weg, mit dem emotionalen Register des Tages umzugehen.

Warum dauerte es bis 2015, bis München dieses Zentrum eröffnete?

Die eigene Ausstellung des Zentrums im vierten Stockwerk beantwortet diese Frage direkt. Die Kurzantwort umfasst Nachkriegs-Politikprioritäten, die psychologische Schwierigkeit, lokale Mitschuld zu konfrontieren (im Gegensatz zu fernen Regierungsverbrechen), das spezifische politische Klima Münchens als CSU-Hochburg sowie anhaltende Debatten, ob ein Gedenkort Pilgerstätten für rechtsgerichtete Gruppen schaffen würde. Die Entscheidung, 2005 voranzugehen und 2015 zu eröffnen, spiegelte sowohl den Generationenwechsel als auch den Einfluss ähnlicher Institutionen in anderen deutschen Städten wider.

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