Jüdische Geschichte Münchens — von mittelalterlichen Anfängen bis zur neuen Synagoge
Was ist die Geschichte der jüdischen Gemeinde Münchens?
München hat seit dem 12. Jahrhundert eine jüdische Gemeinde, mit Phasen der Vertreibung, Wiederaufnahme und des Wachstums. 1933 lebten ca. 11.000 Juden in München. Die NS-Zeit brachte Verfolgung, Kristallnacht (1938), Deportationen ab 1941 und nahezu vollständige Vernichtung der Gemeinde. Seit 1945 ist eine erneuerte Gemeinde gewachsen; die Ohel-Jakob-Synagoge am Jakobsplatz wurde 2006 eröffnet.
Eine Gemeinschaft, geformt durch Jahrhunderte von Aufnahme und Ausschluss
Münchens jüdische Geschichte erstreckt sich über fast neun Jahrhunderte, geprägt von Zyklen der Aufnahme und Vertreibung, die das jüdische Leben im mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Europa kennzeichneten — und dann von der einzigartigen Katastrophe der NS-Zeit, die systematisch eine Gemeinschaft vernichtete, die ein integraler Bestandteil des kulturellen, wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens Münchens geworden war.
Die jüdischen Stätten Münchens heute zu besuchen bedeutet, sowohl diesen Verlust als auch eine bemerkenswerte Nachkriegserneuerung zu erleben: eine jüdische Gemeinde, die von einer Handvoll Überlebender auf ca. 9.000 Mitglieder gewachsen ist, bedient von einer großen neuen Synagoge, einem Jüdischen Museum und einer Reihe kultureller Einrichtungen am wiederaufgebauten Sankt-Jakobs-Platz.
Mittelalterliches und frühneuzeitliches jüdisches München
Die frühesten dokumentierten Belege einer jüdischen Gemeinde in München reichen ins 12. Jahrhundert zurück. Wie jüdische Gemeinden im gesamten Heiligen Römischen Reich waren Münchens Juden einem Rechtssystem unterworfen, das sie als kaiserliches Eigentum definierte — besteuert, gelegentlich geschützt, häufig beschuldigt und periodisch vertrieben.
Die schlimmste mittelalterliche Episode war das Münchner Massaker von 1285, als die jüdische Gemeinde fälschlicherweise des Ritualmordes nach dem Verschwinden eines christlichen Kindes beschuldigt wurde. Die Gemeinde wurde angegriffen; zeitgenössischen Berichten zufolge flohen Juden in ihre Synagoge, die niedergebrannt wurde. Die genaue Zahl der Opfer ist unbekannt. Eine Gedenktafel in der Gegend um die Jakobskirche markiert den ungefähren Standort der mittelalterlichen Synagoge.
Juden wurden 1442 aus München ausgewiesen, durften zeitweise zurückkehren und blieben Einschränkungen — bezüglich Wohnort, Berufen und Bewegungsfreiheit — unterworfen, die erst mit der schrittweisen Emanzipation des 18. und 19. Jahrhunderts aufgehoben wurden. Bayerische Juden erhielten volle Rechtsgleichheit erst mit der deutschen Einigung 1871.
Die Gemeinschaft des 19. Jahrhunderts: Wachstum und bürgerliche Integration
Die Emanzipation des 19. Jahrhunderts transformierte Münchens jüdische Gemeinde. Von einer kleinen, rechtlich eingeschränkten Bevölkerung wuchs sie zu einer bedeutenden Präsenz im kaufmännischen, wissenschaftlichen, künstlerischen und rechtlichen Leben Münchens. Um 1910 lebten ca. 11.000 Juden in München — etwa 3,5 Prozent der Stadtbevölkerung.
Diese Gemeinde war überwiegend bürgerlich, deutschsprachig und stark in das Münchner Bürgerleben integriert. Jüdische Münchner umfassten prominente Rechtsanwälte, Ärzte, Akademiker, Künstler, Zeitungsredakteure und Geschäftsleute. Das institutionelle Leben der Gemeinde war auf die Ohel-Jakob-Synagoge zentriert, eingeweiht 1887 in der Herzog-Max-Straße. Das Gebäude — ein prunkvoller Bau im maurisch-neorenaissancen Stil — spiegelte das Selbstbewusstsein der Gemeinde und die Erwartung auf Dauerhaftigkeit wider.
Der Schriftsteller Lion Feuchtwanger, die Verbindungen des Dichters Rainer Maria Rilke zu jüdischen Intellektuellenkreisen Münchens, der Dirigent Bruno Walter und der Kabarettist Karl Valentin hatten alle bedeutende Verbindungen zum jüdischen Kulturleben Münchens in dieser Zeit. Die Kunstszene der Stadt in Schwabing im frühen 20. Jahrhundert war bemerkenswerterweise gemischt, wobei jüdische Künstler, Mäzene und Sammler in den Kreisen um Wassily Kandinsky und Franz Marc zentral waren.
1933 bis 1938: Verfolgung und Flucht
Die nationalsozialistischen Machtergreifung im Januar 1933 begann einen Prozess der Ausgrenzung und Verfolgung, der sich in Phasen entfaltete. München war als Heimatstadt der NSDAP in gewisser Hinsicht ein frühes Versuchslabor für antijüdische Maßnahmen.
Im April 1933 kam es zum organisierten Boykott jüdischer Geschäfte in ganz Deutschland. Jüdische Beamte, darunter Universitätsprofessoren und Richter, wurden aufgrund des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums aus ihren Stellen entfernt. Die Nürnberger Gesetze vom September 1935 entzogen Juden die deutsche Staatsbürgerschaft und verboten Ehen und sexuelle Beziehungen zwischen Juden und Nichtjuden.
In München waren die Druckverhältnisse akut. Jüdische Geschäfte sahen sich systematischen Einschüchterungskampagnen ausgesetzt. Das Jüdische Gemeindeblatt — die Gemeinschaftszeitung — berichtete von einem stetigen Strom von Ausgrenzungen, Übergriffen und Demütigungen. Jüdische Familien, die es konnten, emigrierten: in die Vereinigten Staaten, nach Großbritannien, nach Palästina, nach Südamerika. Wer die Mittel und Verbindungen hatte, fand einen Ausweg; wer keine Ressourcen hatte oder glaubte, die Situation würde sich stabilisieren, konnte oft nicht.
Der NS-Dokumentationszentrum München deckt die allgemeine Geschichte dieser Zeit ab; das NS-Dokumentationszentrum selbst dokumentiert Münchens spezifische Fälle.
Kristallnacht, 9. November 1938
Das Pogrom vom 9. auf den 10. November 1938 — bekannt als Kristallnacht (Nacht des Zerbrochenen Glases) — war ein national koordinierter Angriff auf jüdisches Eigentum, Synagogen und Einzelpersonen, organisiert von SS und SA unter dem Vorwand der Vergeltung für die Ermordung eines deutschen Diplomaten in Paris.
In München wurde die Ohel-Jakob-Synagoge in der Herzog-Max-Straße in Brand gesetzt. Das Gebäude brannte, während Münchner Feuerwehrleute dabeistand, um angrenzendes nichtjüdisches Eigentum zu schützen. Jüdische Geschäfte im gesamten Stadtzentrum wurden geplündert und ihre Schaufenster eingeschlagen. Jüdische Männer wurden verhaftet und ins Konzentrationslager Dachau gebracht. Einige Münchner Juden wurden geschlagen; manche getötet.
Die Ruinen der Ohel-Jakob-Synagoge wurden anschließend abgerissen. Der Standort wird heute von einem Hotel belegt. Es gibt keine prominente Gedenkstätte, obwohl eine kleine Tafel auf dem Gehweg vorhanden ist.
Die Kristallnacht war der Wendepunkt, an dem der Charakter der nationalsozialistischen antijüdischen Politik von rechtlichem Ausschluss zu physischer Gewalt wechselte. Für viele deutsche Juden, die bis dahin geblieben waren, wurde deutlich, dass Emigration keine Option mehr, sondern eine dringende Notwendigkeit war. Wer noch gehen konnte, tat es in den folgenden Monaten. Doch internationale Einwanderungsbeschränkungen wurden strenger, und das Zeitfenster für den Ausweg verengte sich.
1941 bis 1945: Deportationen und der Holocaust
Der erste Deportationstransport Münchner Juden verließ den Münchner Hauptbahnhof am Gleis 11 am 20. November 1941 mit ca. 1.000 Menschen in das Kaunas-Ghetto in Litauen. Die meisten wurden innerhalb von Tagen nach der Ankunft ermordet. Weitere Transporte folgten: nach Piaski, nach Theresienstadt (dem „Musterlager” als Transitghetto genutzt), nach Auschwitz-Birkenau, nach Riga und in andere Vernichtungsstätten.
Von den ca. 11.000 Juden, die 1933 in München lebten, war die Mehrheit emigriert, als die Deportationen begannen. Von denen, die blieben, wurden ca. 4.000 bis 5.000 deportiert. Die Überlebensrate der deportierten Münchner Juden war äußerst gering.
Das Denkmal Gleis 11 am Münchner Hauptbahnhof markiert Bahnsteig 11, den Abfahrtsort der Deportationen. Das Denkmal — eine Reihe von Informationstafeln und eine schlichte Skulptur — ist als Teil des öffentlichen Raums des Hauptbahnhofs zugänglich. Es ist leicht zu übersehen im Getriebe eines großen Bahnhofs; wer es finden möchte, muss nach den Gleis-11-Schildern im östlichen Teil des Bahnhofs suchen.
Das Stolperstein-Netzwerk
Verteilt über Münchens Gehwege sind Tausende von Stolpersteinen — kleine Messingtafeln, 10 x 10 cm, im Gehweg vor Gebäuden eingelassen, in denen Holocaust-Opfer lebten oder arbeiteten. Das Projekt wurde 1992 von Künstler Gunter Demnig ins Leben gerufen und ist inzwischen das größte dezentralisierte Denkmal der Welt mit über 100.000 Stolpersteinen in mehr als 1.200 Städten.
Ein Stolperstein lautet üblicherweise: „HIER WOHNTE / [Name] / GEBOREN [Jahr] / DEPORTIERT [Datum und Ziel] / ERMORDET [Datum und Ort].” Die bewusste Verwendung des Vergangenheitstempus „wohnte” — und die Aufforderung, über den Stein zu „stolpern”, den Kopf zum Lesen neigend — personalisiert das abstrakte Ausmaß des Holocausts. Jeder Stolperstein ist ein spezifisches Individuum, keine Statistik.
Stolpersteine sind in Münchens Maxvorstadt, Schwabing und der Altstadt besonders dicht, wo ein Großteil der jüdischen Gemeinde konzentriert war. Langsam durch diese Gebiete zu gehen und die Tafeln zu lesen ist eine der wirkungsvollsten Möglichkeiten, sich mit dem Geschehenen auseinanderzusetzen.
Sankt-Jakobs-Platz: das neue jüdische Viertel
Das Zentrum des erneuerten jüdischen Gemeinschaftslebens in München ist der Sankt-Jakobs-Platz, ein Platz in der Altstadt südlich der Sendlinger Straße. Der Platz beherbergte früher die Jakobskirche und war ein unscheinbarer Teil des Stadtzentrums. 2003 wurde er als Standort für eine neue Synagoge, ein Jüdisches Museum und ein Gemeindezentrum gewählt — ein sichtbarer, zentraler Ausdruck jüdischen Lebens in München.
Ohel-Jakob-Synagoge
Die neue Ohel-Jakob-Synagoge wurde am 9. November 2006 eröffnet — dem 68. Jahrestag der Kristallnacht. Das Datum wurde bewusst gewählt. Das Gebäude, entworfen von den Architekten Wandel Hoefer Lorch, ist ein Steinkubus auf einem Travertinsockel, mit Paneelen aus hebräischem Text der Psalmen verkleidet. Das Innere verbindet traditionelle Elemente (Aron haKodesch, Bima) mit einer modernen Ästhetik. Die Synagoge dient der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, die 2026 ca. 9.000 Mitglieder hat — eine Gemeinde, die seit den 1990er Jahren durch Einwanderung aus der ehemaligen Sowjetunion erheblich gewachsen ist.
Die Synagoge ist keine Touristenattraktion, sondern ein aktives Gotteshaus. Die Außenansicht ist uneingeschränkt möglich. Geführte Besuche können manchmal über die Gemeindeleitung arrangiert werden; Sicherheitsvorkehrungen für den Einlass sind vorhanden, was leider den anhaltenden Bedarf an Schutz widerspiegelt.
Jüdisches Museum München
Das Jüdische Museum München öffnete 2007 in einem angrenzenden Gebäude am Sankt-Jakobs-Platz 16. Die Dauerausstellung — „Migration und Heimat” — verfolgt einen thematischen statt rein chronologischen Ansatz zur Münchner jüdischen Geschichte, geordnet nach Fragen von Vertreibung, Zugehörigkeit und Identität.
Das Museum ist eine wichtige Ergänzung zur Abdeckung der NS-Zeit durch das NS-Dokumentationszentrum. Wo das Dokumentationszentrum sich darauf konzentriert, wie der Nationalsozialismus entstanden und ermöglicht wurde, erzählt das Jüdische Museum die Geschichte der Gemeinschaft, die er anvisiert und zerstört hat — und der Gemeinschaft, die seitdem wiederaufgebaut hat.
Praktische Informationen:
- Adresse: Sankt-Jakobs-Platz 16, 80331 München
- Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, 10–18 Uhr. Montags geschlossen.
- Eintritt: 6 Euro Erwachsene, 3 Euro ermäßigt (Preise 2026).
- Anfahrt: U3/U6 bis Sendlinger Tor, 5 Minuten Fußweg nordwärts.
Das Gemeindezentrum
Zwischen Synagoge und Museum beherbergt ein großes Gemeindezentrum die sozialen, bildungsbezogenen und kulturellen Funktionen der Gemeinde — ein koscheres Restaurant (das populäre weltliche Restaurant Schmock liegt benachbart in der Augustenstraße), eine Bibliothek, Jugendgruppen und Verwaltungsbüros. Der Komplex insgesamt stellt die größte und sichtbarste Investition in das jüdische Gemeindeleben in Deutschland außerhalb Berlins dar.
Jüdisches München heute entdecken
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Die durchdachteste Auseinandersetzung mit Münchens jüdischer Geschichte verbindet mehrere Elemente: das Jüdische Museum am Sankt-Jakobs-Platz, das NS-Dokumentationszentrum in der Brienner Straße, die Stolperstein-Spaziergänge durch Maxvorstadt und Schwabing sowie das Denkmal Gleis 11 am Hauptbahnhof. Keine dieser Einrichtungen und Stätten ist in erster Linie auf Touristen ausgerichtet; alle sind auf Bildung und Erinnerung ausgerichtet.
Der Münchner Dritte-Reich-Rundgang umfasst das NS-Dokumentationszentrum und die breiteren Partei-Ära-Stätten. Für Besucher, die die jüdische Geschichte mit breiterem WWII-Kontext verbinden möchten, gibt der München im Zweiten Weltkrieg den chronologischen Rahmen.
Der Besuch der Gedenkstätte Dachau ab München erklärt, wie man einen Besuch am Sankt-Jakobs-Platz und im Münchner Zentrum mit der Gedenkstätte Dachau an einem einzigen Tag kombiniert — obwohl das emotionale Gewicht beider an einem Tag erheblich ist und eingeplant werden sollte.
Die jüdische Gemeinde Münchens heute
Münchens jüdische Gemeinde von ca. 9.000 Mitgliedern im Jahr 2026 ist die drittgrößte in Deutschland, nach Berlin und Frankfurt. Sie ist bemerkenswert für ihren Anteil an postsowjetischen Einwanderern: Seit den frühen 1990er Jahren öffnete Deutschland seine Türen für jüdische Einwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion, und ein erheblicher Teil der aktuellen Münchner Gemeinde hat Wurzeln in Russland, der Ukraine und anderen ehemaligen Sowjetstaaten.
Diese demografische Verschiebung hat den Charakter der Gemeinde verändert — sprachlich, kulturell und religiös. Es ist eine Gemeinde, die Fragen der Integration und Identität navigiert, die denen der Vorkriegsgemeinde in früheren Epochen nicht unähnlich sind. Das Thema des Jüdischen Museums „Migration und Heimat” spiegelt dies unmittelbar wider.
Häufige Fragen zur jüdischen Geschichte Münchens
Wann wurde die erste jüdische Gemeinde in München gegründet?
Die frühesten dokumentierten Belege für eine jüdische Präsenz in München reichen ins 12. Jahrhundert zurück, kurz nach der Stadtgründung 1158. Die Gemeinde wuchs über folgende Jahrhunderte, sah sich aber periodischer Verfolgung und Vertreibung gegenüber — vor allem dem Massaker und der Vertreibung von 1285 sowie weiteren Vertreibungen im 15. und 16. Jahrhundert.
Ist die Ohel-Jakob-Synagoge für nichtjüdische Besucher geöffnet?
Die Ohel-Jakob-Synagoge ist ein aktives Gotteshaus, keine Touristenattraktion. Die Außenansicht des Gebäudes ist uneingeschränkt möglich. Innenbesichtigungen für Nichtgemeindeangehörige sind generell nur durch arrangierte Führungen möglich, die manchmal über die Israelitische Kultusgemeinde München organisiert werden können. Sicherheitskontrollen sind für alle Besucher eingerichtet.
Wo befindet sich das Deportationsdenkmal am Münchner Hauptbahnhof?
Das Denkmal Gleis 11 befindet sich auf Bahnsteig 11 im östlichen Teil des Münchner Hauptbahnhofs. Nach den Gedenktafeln auf dem Bahnsteig suchen. Das Denkmal ist als Teil des öffentlichen Raums des Bahnhofs ohne Ticket oder Eintritt zugänglich.
Was ist das Jüdische Gemeindeblatt?
Das Jüdische Gemeindeblatt war die Zeitung der Münchner jüdischen Gemeinde, veröffentlicht von 1908 bis 1938. Ausgaben sind archiviert und liefern eine detaillierte Aufzeichnung des Gemeinschaftslebens, des wachsenden Drucks der NS-Zeit, von Emigrationsentscheidungen und der Dokumentation der Verfolgung. Das Jüdische Museum besitzt Archivmaterial dieser Publikation.
Gibt es jüdische Restaurants oder Kultureinrichtungen in München?
Ja. Das Restaurant Schmock in der Augustenstraße, neben dem Sankt-Jakobs-Platz, ist ein populäres Restaurant im jüdischen Stil, das für alle offen ist und keine spezifische Gemeinschaftseinrichtung ist. Mehrere Bäckereien und Lebensmittelbetriebe mit jüdischen Verbindungen sind in München tätig. Das Café des Jüdischen Museums ist während der Museumsöffnungszeiten für alle zugänglich.
Wie viele Münchner Juden überlebten den Holocaust?
Genaue Zahlen sind schwer zu ermitteln. Von den ca. 11.000 Juden in München im Jahr 1933 war die Mehrheit emigriert, bevor die Deportationen 1941 begannen. Von den Deportierten — geschätzt zwischen 4.000 und 5.000 Menschen — waren die Überlebensraten sehr gering. Die jüdische Nachkriegsgemeinde in München umfasste anfangs nur einige hundert Überlebende und Vertriebene; ihr Wachstum auf die heutigen 9.000 Mitglieder spiegelt natürliches Wachstum und Einwanderung über acht Jahrzehnte wider.
Häufige Fragen zu Jüdische Geschichte Münchens
Wo befindet sich Münchens Hauptsynagoge?
Die Hauptsynagoge ist Ohel Jakob am Sankt-Jakobs-Platz 18, eröffnet 2006. Sie ist die größte Synagoge Süddeutschlands und dient der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern. Das Gebäude — entworfen von den Architekten Wandel Hoefer Lorch — ist ein moderner Kubus aus Glas und Stein, der die Erneuerung der Gemeinschaft nach dem Holocaust widerspiegelt.Was geschah mit der jüdischen Gemeinde Münchens in der NS-Zeit?
Die Münchner jüdische Bevölkerung von ca. 11.000 im Jahr 1933 sah sich systematischem Ausschluss aus Berufen und dem öffentlichen Leben, Boykotten und Enteignungen ab 1933 ausgesetzt. In der Kristallnacht am 9. November 1938 wurde die Ohel-Jakob-Synagoge in der Herzog-Max-Straße zerstört, jüdische Geschäfte geplündert und Männer verhaftet. Die Deportation Münchner Juden in Konzentrations- und Vernichtungslager begann im November 1941.Was ist das Jüdische Museum München?
Das Jüdische Museum München am Sankt-Jakobs-Platz 16 wurde 2007 eröffnet. Es präsentiert Geschichte, Kultur und Leben der Münchner jüdischen Gemeinde vom Mittelalter bis heute. Die Dauerausstellung konzentriert sich auf Themen 'Migration und Heimat'. Eintritt 6 Euro (2026). Geöffnet Dienstag bis Sonntag, 10–18 Uhr.Was war die ursprüngliche Ohel-Jakob-Synagoge?
Die ursprüngliche Ohel-Jakob-Synagoge stand in der Herzog-Max-Straße im Stadtzentrum. Es war ein großes, prunkvolles Gebäude im maurisch-neorenaissancen Stil, eingeweiht 1887. Das Gebäude wurde in der Kristallnacht am 9. November 1938 — dem vom NS-SS und -SA organisierten reichsweiten Pogrom — verbrannt. Die Ruinen wurden anschließend abgerissen. Der Standort wird heute von einem Hotel belegt.Gibt es ein Denkmal für die Deportationen der Münchner Juden?
Mehrere Denkmäler existieren. Das Denkmal Gleis 11 am Münchner Hauptbahnhof markiert den Bahnsteig, von dem Münchner Juden ab November 1941 deportiert wurden. Stolpersteine (Messinggedenktafeln) finden sich in ganz München — besonders in Maxvorstadt, Schwabing und der Altstadt — und markieren die letzten frei gewählten Wohnorte von Holocaust-Opfern.Was ist ein Stolperstein?
Stolpersteine sind kleine Messingtafeln von ca. 10 x 10 cm, die in Gehwegen vor Gebäuden eingelassen sind, in denen Holocaust-Opfer zuletzt lebten oder arbeiteten. Sie wurden 1992 von Künstler Gunter Demnig konzipiert und seitdem in über 1.200 Städten in ganz Europa verlegt. München hat Tausende von Stolpersteinen — ein Spaziergang durch die Innenstadt wird so zur Begegnung mit individuellen Schicksalen.Gibt es Stadtspaziergänge zur jüdischen Geschichte in München?
Mehrere Organisationen bieten Führungen mit Schwerpunkt auf Münchens jüdischer Geschichte an — einschließlich des mittelalterlichen jüdischen Viertels der Altstadt, der ehemaligen Synagogenstandorte, des Jüdischen Museums, der neuen Ohel-Jakob-Synagoge und Stolperstein-Routen. Die Bildungsabteilung des NS-Dokumentationszentrums kann aktuelle Anbieter benennen.
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