Au-Haidhausen: Münchens Franzosenviertel, Wiener Platz und gelebtes Stadtleben
Munich: old town walking tour
Was ist Au-Haidhausen und warum empfehlen es viele?
Au-Haidhausen ist ein Wohnviertel östlich der Isar, ca. 2 km vom Marienplatz entfernt. Es gilt als eines der beliebtesten und lebenswertesten Münchner Viertel — mit guten unabhängigen Restaurants und Bars, dem Franzosenviertel mit seinem Pariser Straßennetz, dem Wochenmarkt am Wiener Platz, dem Kulturzentrum Gasteig und direktem Isarzugang. Unterkunfts- und Essenspreise sind hier spürbar niedriger als in Schwabing oder der Altstadt.
Au-Haidhausen: Münchens unterschätzter östlicher Stadtteil
Fragt man Münchner Einheimische, wo man für ein authentisches Erlebnis übernachten soll, nennen viele Au-Haidhausen. Das Viertel hat nicht den Glanz und die touristische Infrastruktur Schwabings, die museale Gravitas der Maxvorstadt oder den Nachtleben-Ruf des Glockenbachviertels — aber es verbindet eine dichte unabhängige Restaurant- und Kaffeehausszene, direkten Isarzugang, faire Preise und unkomplizierte Verkehrsanbindung zu einem Gebiet, das den Besucher belohnt, der nicht hauptsächlich auf dem Touristenpfad unterwegs ist.
Das Viertel liegt östlich der Isar, gegenüber der Altstadt. Die westliche Grenze ist das Flussufer; der östliche Rand ist der Ostbahnhof. Au und Haidhausen sind technisch zwei separate Verwaltungsbezirke, die zusammengewachsen sind und konsequent als einer behandelt werden: Die Au (wörtlich „Auenwiese”) umfasst den südlichen Abschnitt näher an der Isar; Haidhausen selbst ist der nördliche Teil mit dem Franzosenviertel und dem Wiener Platz.
Anreise und Fortbewegung
Vom Marienplatz: Die atmosphärischste Anreise ist zu Fuß — überqueren Sie die Maximiliansbrücke oder Ludwigsbrücke östlich über die Isar und folgen Sie dem Ostufer nördlich oder südlich Richtung Wiener Platz. Der Fußweg dauert 20–25 Minuten und führt durch einen angenehmen Flussuferabschnitt.
Mit öffentlichen Verkehrsmitteln: Die S-Bahn nach Rosenheimer Platz (eine Station vom Marienplatz) bringt Sie an den westlichen Rand des Viertels in der Nähe des Gasteig. S-Bahn oder U5 zum Ostbahnhof erreicht den östlichen Teil. Die U5 vom Ostbahnhof zum Marienplatz dauert ca. 8 Minuten.
Im Viertel selbst: Au-Haidhausen ist gut zu Fuß zu erkunden. Die Franzosenviertel-Straßen bilden ein kompaktes Raster; vom Wiener Platz zum Rosenheimer Platz sind es 10 Gehminuten. Mit dem Fahrrad ist das gesamte Viertel und die Isarufer am effizientesten zu erkunden.
Das Isarufer: Münchens natürlicher Vorteil
Au-Haidhausens westliche Seite grenzt direkt an die Isar, was einen seiner deutlichsten Vorteile darstellt. Die Isar wurde zwischen 2000 und 2011 in München weitgehend renaturiert — die Betonufer, die den Fluss seit den 1900er Jahren kanalisiert hatten, wurden durch Kiesufer, flache Strände und naturnahe Flussufer ersetzt. Das Ergebnis ist, dass München nun einen Flussuferabschnitt durch die Stadt hat, der an warmen Tagen wie ein Strand funktioniert.
Die Isarstrände zwischen Deutschem Museum und Marienklause sind von Au-Haidhausen zu Fuß erreichbar. An Sommertagen sind Abschnitte des Ufers mit Münchner Einwohnern zum Schwimmen, Sonnen und Picknicken bedeckt — eine völlig kostenlose und wirklich lokale Freizeitaktivität im Freien. Das Wasser ist kalt (alpines Schmelzwasser), klar und schnell fließend; Schwimmen setzt Erfahrung voraus. In bestimmten Abschnitten gibt es starke Strömungen, die für unerfahrene Schwimmer nicht geeignet sind.
Das Deutsche Museum (Deutsches Museum für Meisterwerke der Naturwissenschaft und Technik) befindet sich auf einer Isarinsel direkt neben dem Au-Haidhausen-Ufer. Es ist eines der weltgrößten Wissenschafts- und Technikmuseen und deckt Maschinenbau, Luftfahrt, Chemie, Physik und viele andere Disziplinen auf enorm großer Fläche ab. Das Museum befindet sich in einem rollierenden Renovierungsprogramm; einzelne Flügel öffnen und schließen abwechselnd. Der Deutsches Museum Leitfaden behandelt den aktuellen Stand der Ausstellungen.
Das Franzosenviertel
Das Franzosenviertel ist das Straßenraster im nördlichen Haidhausen, dessen Straßen nach französischen Städten, Regionen und Kulturpersönlichkeiten benannt sind. Beim Spaziergang durch das Gebiet liest man Straßenschilder wie Rue de Marseille, Pariser Straße, Bretonischer Ring, Sedanstraße, Lothringerstraße. Die Benennung stammt aus den 1870er Jahren — Bayern hatte als Teil des Norddeutschen Bundes den Deutsch-Französischen Krieg gewonnen, und die französischen Entschädigungszahlungen hatten erhebliche städtische Infrastruktur in München finanziert.
Heute ist die historische Ironie der Benennung weitgehend vergessen, und das Gebiet ist schlicht ein angenehmes Wohnviertel. Die Straßen sind ruhig, gesäumt von Wohngebäuden des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts, und haben eine Nachbarschaft-in-der-Stadt-Qualität, die sich wirklich von den Touristenzonen rund um den Marienplatz unterscheidet. Unabhängige Cafés, kleine Restaurants, einige Boutiquen und Fachgeschäfte bedienen die lokale Wohnbevölkerung.
Es gibt hier keine Touristeninfrastruktur — keine Reiseführer, keine Touren, kein Museum, das die Geschichte erklärt. Das Franzosenviertel ist einen Erkundungsgang als Stadtviertel wert, nicht als strukturierte Attraktion.
Wiener Platz: der Marktplatz des Viertels
Der Wiener Platz ist das gesellschaftliche Zentrum von Au-Haidhausen. Der Platz selbst ist architektonisch nicht bemerkenswert — eine verbreiterte Straßenkreuzung mit einem zentralen Kioskgebäude. Was ihn zum Erlebnis macht, ist die Dichte an Cafés und Restaurants unmittelbar darum und der Wochenmarkt.
Samstagmorgenmarkt: Lokale Bauern und Produzenten bauen von ca. 8 bis 13 Uhr samstags Stände rund um den Kiosk auf. Das Ausmaß ist kleiner als am Viktualienmarkt, aber der Charakter ist echter lokal — man kauft neben Nachbarschaftsbewohnern, nicht Touristen. Käse, Saisongemüse, Brot, Blumen, Honig und gelegentlich Spezialprodukte. Der Markt ist in den meisten Reiseführern nicht aufgeführt und hat keine Touristeninfrastruktur.
Wiener Platz unter der Woche: Das Kioskgebäude dient wochentags als kommunikativer Treffpunkt, und die umliegenden Cafés und Restaurants öffnen normal. Die Gehsteig-Cafétische entlang der Wörthstraße und Milchstraße sind angenehm für den Morgenkaffee oder das Nachmittagsbier.
Essen und Trinken in Au-Haidhausen
Die Restaurantszene des Viertels ist eines seiner Markenzeichen. Sie ist nicht kulinarisch so bekannt wie das Gärtnerplatzviertel oder das Glockenbachviertel, aber die Kombination aus niedrigeren Mieten (im Vergleich zu Schwabing oder der Altstadt) und einem lokalen statt touristischen Stammkunden hat eine solide unabhängige Restaurantkultur hervorgebracht.
Bayerische Restaurants:
- Wirtshaus in der Au (Lilienstraße): Eines der meistempfohlenen traditionellen bayerischen Lokale Münchens — besonders bekannt für Knödel in vielen Variationen. Für Abendbesuche wird eine Reservierung empfohlen. Hauptgerichte 12–20 €.
- Max-Emanuel-Brauerei (technisch Maxvorstadt, aber von Au-Haidhausen erreichbar): Ein Brauereirestaurant aus dem 19. Jahrhundert mit Biergarten im Innenhof. Gutes Bier und solide bayerische Küche.
Internationale Optionen: Die Straßen rund um den Pariser Platz und die Wörthstraße bieten eine gute Mischung aus italienischen, griechischen, asiatischen und nahöstlichen Restaurants. Die Qualität ist durchgehend solide zu mittleren Preisen (10–18 € pro Hauptgericht).
Cafés: Die Morgen-Café-Kultur ist in Au-Haidhausen stark ausgeprägt. Mehrere unabhängige Kaffeehäuser an der Milchstraße, Wörthstraße und in den Franzosenviertel-Straßen öffnen früh und bedienen lokale Einwohner, bevor sie sich dem allgemeinen Stadtbesucher öffnen.
Bars: Rund um die Kirchenstraße und den östlichen Rand der Au konzentrieren sich Bars und Nachtlokale, die eine lokale Stammkundschaft anziehen. Weniger bekannt als die Glockenbachviertel-Barszene, dafür mit dem Flair einer Nachbarschaftskneipe. Münchner Essen-und-Bier-Stadtspaziergang — lokale Gerichte und Brauereigeschichte
Das Kulturzentrum Gasteig
Der Gasteig (der Name bedeutet „steiler Aufstieg” im lokalen Bayerischen — das Gebäude liegt an einem Hang über der Isar) ist Münchens wichtigstes Konzert- und Kulturzentrum am Rosenheimer Platz-Ende von Au-Haidhausen.
Das Gebäude wurde 1985 fertiggestellt und war von Anfang an umstritten — ein großer roter Backsteinbau, den Kritiker als bedrückend empfanden und der sich nicht gut in die Umgebung einfügt. Er enthält:
- Philharmonie im Gasteig: Der Hauptkonzertsaal und Heimat der Münchner Philharmoniker
- Carl-Orff-Saal: Ein kleinerer Konzertsaal
- Schwarzer Saal: Blackbox-Theater und Mehrzweck-Aufführungsraum
- Stadtbibliothek München (Gasteig): Eine der wichtigsten öffentlichen Bibliotheken der Stadt
- Mehrere kleinere Räume: Filmvorführungen, Ausstellungen, Probenräume
Das Gebäude wird phasenweise renoviert. Während der Renovierung (voraussichtlich bis 2028–2029) sind viele Münchner Philharmoniker-Konzerte ins temporäre Gasteig HP8 im Stadtteil Sendling umgezogen. Prüfen Sie die aktuellen Spielpläne und Orte auf den Websites des Gasteig und der Münchner Philharmoniker.
Die Gasteig-Renovierung ist eine bedeutende Münchner Kulturpolitikgeschichte — die Stadt hat debattiert, ob das bestehende Gebäude renoviert, abgerissen oder ein Neubau errichtet werden soll. Stand 2026 ist die Renovierung am Bestandsort die gewählte Option. Wenn klassische Musik bei Ihrem Besuch Priorität hat, überprüfen Sie vor dem Konzertbesuch den Veranstaltungsort.
St.-Maximilians-Kirche und die Maximilianstraßen-Achse
Die Maximilianstraße — Münchens exklusivste Einkaufsstraße, die von der Altstadt durch das Isartor nach Osten führt — überquert die Isar über die Maximiliansbrücke und tritt in Au-Haidhausen ein, wo sie am Maximilianeum endet, einem monumentalen Gebäude (1874) auf einer Anhöhe über der Isar, das das Bayerische Landesparlament beherbergt. Das Gebäude ist nicht für allgemeine Touristenbesuche geöffnet, ist aber architektonisch bedeutsam.
Die St.-Maximilians-Kirche (Maximilians-Anlagen), eine neugotische Kirche aus dem 19. Jahrhundert, ist von der Brücke und vom Isarufer aus sichtbar. Die Kirche und der öffentliche Garten am Flussufer (Maximilians-Anlagen) bilden einen angenehmen Spaziergang entlang des Flusses zwischen der Maximiliansbrücke und dem Gasteig.
Haidhausener Biergärten und Freiluftkultur
Entsprechend Münchens Biergarten-Kultur hat Au-Haidhausen mehrere Freiluftlokale:
Hilton-Biergarten (am München Hilton Hotel, Rosenheimerstraße): Ein großer Biergarten neben dem Hotel, der für Nicht-Gäste geöffnet ist. Keine traditionelle Biergarten-Atmosphäre, aber funktional und angenehm.
Hofbräukeller (Innere Wiener Straße): Einer von Münchens historischen Bierhallen mit einem großen Außengarten. Weniger berühmt als das Hofbräuhaus in der Innenstadt, deutlich weniger touristisch und mit echter Viertelkneipe-Atmosphäre. Der Garten fasst ca. 1.500 Personen und serviert Hofbräu-Bier.
Isarufer: Wie oben beschrieben — das Ufer selbst fungiert an warmen Tagen als informeller Biergarten und Freizeitbereich. Viele Einwohner bringen ihr eigenes Essen und Trinken mit. Viktualienmarkt und Altstadt-Kulinarik-Tour — 10 bayerische Kostproben
Übernachten in Au-Haidhausen: Preisübersicht
Budget (unter 80 €/Nacht): Begrenzte Optionen im Viertel selbst; im Bereich des Ostbahnhofs gibt es einige Budget-Kettenhotels. Hostel-Betten sind in der Nähe von Hacker-Pschorr und ähnlichen Unterkünften verfügbar.
Mittelklasse (90–160 €/Nacht): Das Viertel hat unabhängige Hotels und pensionsartige Gästehäuser, die besseres Preis-Leistungs-Verhältnis als vergleichbare Optionen in Schwabing bieten. Die Nähe zum Ostbahnhof bedeutet, dass einige businessorientierte Mittelklasse-Ketten vorhanden sind.
Gehobene Mittelklasse (160–250 €/Nacht): Das München Hilton (Rosenheimerstraße) liegt am Gasteig-Ende von Au-Haidhausen — ein großes Businesshotel mit gutem Außenbiergarten, günstig für Altstadt und Viertel.
Einen vollständigen Vergleich der Münchner Viertel nach Unterkunftspreis und Komfort finden Sie im Guide zu Übernachtungsoptionen in München.
Häufig gestellte Fragen zu Au-Haidhausen
Ist Au-Haidhausen sicher?
Ja. Au-Haidhausen ist ein normales Münchner Wohnviertel mit niedriger Kriminalitätsrate. Der Bereich um den Ostbahnhof (am östlichen Rand) hat nachts mehr Straßenaktivität als die ruhigeren Wohnstraßen, aber nichts, was ernsthaften Sicherheitsbedenken nach europäischen Stadtmaßstäben entspräche. Übliche städtische Vorsichtsmaßnahmen gelten.
Wie sieht es aus, durch das Haidhausener Franzosenviertel zu schlendern?
Ruhig und wohnlich. Es gibt keine französischen Restaurants, keine Eiffelturm-Repliken, keine Touristeninfrastruktur. Es ist ein angenehmes gründerzeitliches Wohnraster mit breiten Straßen, qualitätsvollen Apartmentgebäuden und unabhängigen Cafés und Geschäften. Das Interesse liegt in den Straßennamen und dem ruhigen Charakter des Viertels relativ zum touristischen Zentrum. Planen Sie 30–45 Minuten ein, um die wichtigsten Franzosenviertel-Straßen zu erkunden.
Wie unterscheidet sich Au-Haidhausen vom Glockenbachviertel?
Beide sind östlich des Zentrums gelegene Viertel mit guter unabhängiger Restaurant- und Barszene. Das Glockenbachviertel ist bekannter und abends lebhafter — es beherbergt Münchens LGBTQ+-Szene und eine dichtere Nachtlebenkonzentration. Au-Haidhausen ist ruhiger, familienorientierter und wohnlicher. Die Preise in Au-Haidhausen tendieren etwas niedriger bei der Unterkunft. Das Glockenbachviertel ist näher an der Altstadt; Au-Haidhausen hat den Vorteil des Isarufers. Vergleich im Glockenbachviertel-Guide.
Kann ich in der Isar bei Au-Haidhausen schwimmen?
Ja, an den Kiesstränden zwischen Deutschem Museum und Marienklause. Das Wasser ist kalt (im Sommer typischerweise 15–18°C), schnell fließend und alpin klar. Die Strömung ist in bestimmten Abschnitten stark; prüfen Sie den Wasserstandsanzeiger, bevor Sie ins Wasser gehen. Kinder und unerfahrene Schwimmer sollten den Hauptflusskanal nicht betreten. Ausgewiesene Badestellen am Ufer sind gekennzeichnet.
Was ist der Hofbräukeller und ist er besser als das Hofbräuhaus?
Der Hofbräukeller (Innere Wiener Straße 19, Au-Haidhausen) ist die originale Hofbräu-Brauereiwirtschaft, die dem berühmten Altstadtstandort vorausging. Er ist wesentlich weniger touristisch — meist lokale Stammgäste und Vierteleinwohner. Das Bier (Hofbräu, dieselbe Brauerei) ist identisch mit dem im berühmten Hofbräuhaus der Innenstadt. Der Außenbiergarten ist angenehm und großzügig. Dies ist für Besucher, die die Hofbräuhaus-Tourismusatmosphäre der Altstadt vermeiden möchten, tatsächlich das bessere Hofbräu-Erlebnis.
Wie weit ist Au-Haidhausen vom Englischen Garten entfernt?
Der Südeingang zum Englischen Garten (nahe dem Haus der Kunst) ist vom Wiener Platz aus in ca. 30 Minuten zu Fuß über die Isarufer und die Prinzregentenstraße erreichbar. Mit dem Fahrrad dauert die Route 15–20 Minuten und ist durchgehend angenehm entlang des Flusses. Der Englischer Garten München informiert über Eingänge und Sehenswürdigkeiten.
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