Skip to main content
Bayern-Roadtrip: 7 Tage mit dem Auto ab München

Bayern-Roadtrip: 7 Tage mit dem Auto ab München

Warum Bayern ideales Roadtrip-Terrain ist

Bayern bietet die Infrastruktur, die Landschaft und die Dichte an lohnenswerten Stopps für einen wirklich befriedigenden 7-tägigen Roadtrip. Die Straßen sind in hervorragendem Zustand. Das Autobahnnetz verbindet die großen Städte schnell; die kleineren Bundesstraßen durch die Alpen und das Land gehören zu den besten Fahrstraßen Europas. An den meisten Zielen gibt es Parkplätze, oft kostenlos oder günstig außerhalb der Touristenhochburgen.

Die Herausforderung liegt in der Diskrepanz zwischen Ambitionen und der Realität der Fahrzeit. Viele Bayern-Roadtrip-Pläne überschätzen, wie viel Strecke komfortabel zurückgelegt werden kann. Dieser Reiseplan basiert auf realistischen Tagesetappen mit Raum für Stopps, Mahlzeiten und Spaziergänge — keine Liste von Orten, an denen man nur vorbeifährt.

Gesamtstrecke: ca. 1.000–1.100 km je nach Variantenwahl.
Mietwagengrundpreis: 350–600 € für 7 Tage für ein Standardauto (ohne GPS, das bei einem Smartphone nicht nötig ist). München Flughafen und München Hauptbahnhof haben große Mietwagenbüros.
Kraftstoff: Deutschland hat auf der Autobahn hohe Tempofreigaben; Diesel-/Benzinpreise lagen 2026 bei ca. 1,60–1,90 € pro Liter. Für eine Woche Sprit ca. 60–100 € einplanen.

Für die besten Buchungsmöglichkeiten den München Mietwagen-Führer lesen.

Tag 1: München nach Garmisch-Partenkirchen (90 km südlich)

Ab München auf der A95 Autobahn südwärts fahren. Die Straße führt durch die Flachlandschaft Oberbayerns, bevor sich die Alpen voraus abzeichnen — der Übergang von der Ebene ins Gebirge ist abrupt und an klaren Tagen eindrucksvoll.

Garmisch-Partenkirchen (gemeinsam eine Stadt, ursprünglich zwei Dörfer, die für die Winterolympiade 1936 zusammengelegt wurden) liegt am Fuße der Zugspitze, Deutschlands höchstem Berg mit 2.962 Metern. Es ist ein praktischer Stützpunkt und mindestens einen halben Tag wert.

Optionen für den Nachmittag von Tag 1:

  • Zugspitze-Gipfel: Die Zahnradbahn (Bayerische Zugspitzbahn) fährt vom Garmischer Bahnhof ab und braucht 75 Minuten bis zum Gipfel, von dem eine Seilbahn das Zugspitze-Gletscherskigebiet erschließt. Rückfahrkarte ca. 73 € pro Erwachsenem. Der Blick reicht an klaren Tagen bis zu 400 km weit. Der Tagesausflug zur Zugspitze erklärt die Optionen im Detail.
  • Partnachklamm: Eine kürzere, günstigere Option. Die Klamm ist ein 700 Meter langer Flusscanyon, 30 Gehminuten von der Stadt. Eintritt ca. 6 €. Dramatisch in jeder Jahreszeit.

Übernachten in Garmisch-Partenkirchen (oder im nahegelegenen Mittenwald für eine ruhigere Option).

Tag 2: Garmisch nach Füssen über Oberammergau (80 km)

Westlich von Garmisch auf der B23 fahren, durch Oberammergau — bekannt für das Passionsspiel (alle 10 Jahre, nächstes Mal 2030) und für Lüftlmalerei, die gemalten Hausfassaden, die fast jedes Gebäude im Ort bedecken. Die Wallfahrtskirche Wies (Wieskirche), nördlich der Straße Richtung Füssen, ist UNESCO-Weltkulturerbe — eine Rokokokirche, die unwahrscheinlich mitten in einer Wiese steht. Sie ist in 30 Minuten besichtigt und kostenlos zu besuchen.

Füssen am Nachmittag erreichen. Füssen ist die nächste Stadt zu Neuschwanstein und Schloss Hohenschwangau. Die Altstadt selbst ist hübsch — ein kleines mittelalterliches Zentrum mit dem Hohen Schloss, das darüber thront.

Abend: Im Restaurant in Füssen (nicht im Schlossbereich) einen Tisch reservieren. Restaurant Zum Hechten ist eine solide lokale Option für bayerisches Essen zu fairen Preisen.

Tag 3: Neuschwanstein und Hohenschwangau

Das ist der Schloss-Tag. Den ganzen Tag einplanen.

Beide Schlösser — Neuschwanstein und Hohenschwangau — erfordern vorab gebuchte Zeitkarten, besonders Neuschwanstein, das im Sommer Wochen oder Monate im Voraus ausverkauft ist. Auf der offiziellen Bayern-Ticket-Service-Website (bayerische-schlösser.de) vor der Abreise buchen. Walk-up-Tickets sind in der Hochsaison selten erhältlich.

Die Logistik: Das Ticketcenter liegt im Tal. Der Zugang zu den Schlössern führt bergauf — entweder zu Fuß (30 Minuten), per Pferdekutsche (kostenpflichtig, langsam) oder mit dem Shuttlebus (kostenpflichtig, schneller). Die meisten kombinieren Hohenschwangau (tiefer gelegen, älter, besser erhaltene Innenräume) am Morgen und Neuschwanstein (höher, dramatischeres Äußeres, berühmter Ausblick) am Nachmittag. Die Führungen im Inneren dauern jeweils ca. 35 Minuten. Kombiniertes Ticket für Neuschwanstein und Hohenschwangau

Marienbrücke: Die eiserne Fußgängerbrücke über die Pöllat-Schlucht bietet das berühmte Neuschwanstein-Foto. Sie ist genauso dramatisch wie auf den Fotos und der Aufstieg lohnt sich. Zur Mittagszeit kann es voll sein; besser früh morgens oder am späten Nachmittag gehen.

Nacht 3: Nochmals in Füssen übernachten oder in die Chiemsee-Gegend fahren (2 Stunden östlich), wenn man für Tag 4 vorankommen möchte.

Tag 4: Chiemsee und Herrenchiemsee (100 km östlich von Füssen)

Auf der B17 (Richtung Romantische Straße) und dann auf der A8 ostwärts zum Chiemsee, Bayerns größtem See mit 80 km², fahren. Die Fahrt dauert etwa 1,5 Stunden.

Die Hauptattraktion ist Herrenchiemsee, König Ludwigs II. ehrgeizigstes Bauprojekt — eine Nachbildung von Versailles, auf einer Insel im See erbaut. Zugang per Fähre von Prien am Chiemsee oder Stock (kurze Bootsüberfahrt). Das Innere — besonders der Spiegelsaal (tatsächlich länger als das Versailler Original) — ist außerordentlich. Führungen sind obligatorisch; Eintritt plus Fähre ca. 15–20 €.

Ludwig II. starb 1886, als der Palast erst teilweise fertiggestellt war. Was vorhanden ist, reicht aus, um das Ausmaß seiner Ambitionen zu verstehen. Der Chiemsee liefert alle Besuchsdetails.

Nachmittag: Der Chiemsee bietet Schwimmen, Radfahren und Bootstouren. In den Städten Prien und Gstadt gibt es Seerestaurants. Dieser Nachmittag ist bewusst ruhiger gehalten — der Roadtrip profitiert von Abwechslung im Tempo.

Übernachten: Prien am Chiemsee oder Rosenheim.

Tag 5: Berchtesgaden und Kehlsteinhaus (80 km südöstlich)

Südlich vom Chiemsee auf der B305 durch das voralpine Land nach Berchtesgaden fahren. Dies ist eine der dramatischsten Landschaftsveränderungen des gesamten Roadtrips — der enge Taleingang nach Berchtesgaden, umgeben von über 2.000 m hohen Gipfeln auf drei Seiten, wirkt wirklich alpin.

Königssee: Die elektrisch betriebenen Boote auf diesem fjordähnlichen See (seit 1909 elektrisch — kein Motorlärm) fahren zur St.-Bartholomä-Wallfahrtskirche am gegenüberliegenden Ufer. Die Hin- und Rückfahrt dauert 90 Minuten, und die Landschaft — senkrechte Felswände, die direkt ins Wasser abfallen — ist außergewöhnlich. Den Königssee-Führer für das Erlebnis lesen.

Kehlsteinhaus: Die ehemalige NS-Bergresidenz liegt auf 1.834 Metern über Berchtesgaden. Sie ist heute Restaurant und Gedenkstätte, nur über einen speziellen Bus von der Dokumentation Obersalzberg (einem Museum zur NS-Geschichte der Region) erreichbar. Der Zugang führt über eine schwindelerregende Gebirgsstraße aus dem Jahr 1938, dann per Aufzug durch 124 Meter massives Gestein. Nur von Mai bis Oktober geöffnet. Für den Besuch inkl. Dokumentation 3–4 Stunden einplanen. Ganztägige Berchtesgaden-Tour mit Kehlsteinhaus und Zweiter-Weltkrieg-Geschichte

Ehrlicher Hinweis: Das Kehlsteinhaus ist an Sommerwochenenden sehr überfüllt. Die Dokumentation Obersalzberg bietet das substanzreichere historische Erlebnis; das Kehlsteinhaus selbst ist ein Gebäude mit Aussicht. Besser zuerst den historischen Kontext schaffen.

Übernachten: Berchtesgaden Stadtmitte. Hotel Grünberger oder das zentral gelegene Vier Jahreszeiten sind zuverlässige Optionen.

Tag 6: Regensburg (200 km nördlich, mit Routenvariante)

Berchtesgaden verlassen und nordwärts fahren — das ist der längste Fahrtag. Die A8 verbindet sich mit der A9 Richtung Regensburg, oder man nimmt malerische Strecken durch den Bayerischen Wald.

Regensburg ist eine der besterhaltenen mittelalterlichen Städte Deutschlands und UNESCO-Weltkulturerbe. Die Altstadt überstand den Zweiten Weltkrieg fast vollständig — als einzige bedeutende mittelalterliche Stadt in Deutschland — und die Dichte romanischer und gotischer Architektur in Gehweite ist bemerkenswert.

Was zu sehen ist: Der Dom (St.-Peter-Kathedrale) mit zwei Türmen und 500 Jahren Baugeschichte; die Steinerne Brücke (1135 — eine der ältesten Brücken Deutschlands); der Alte Kornmarkt; und die Historische Wurstküche, eine Wurstküche, die seit mindestens dem 12. Jahrhundert am selben Donauufer betrieben wird. Die Würste sind real: ca. 5 € für sechs Stück, draußen an Tischen mit Blick auf den Fluss gegessen.

Übernachten: Regensburger Altstadt — Hotel Bischofshof liegt in einem mittelalterlichen Bischofspalast und bietet ein ungewöhnliches Erlebnis zu fairen Preisen.

Tag 7: Nürnberg nach München (170 km mit Stopps)

Nordwestlich auf der A3 nach Nürnberg fahren, dann auf der A9 südwärts zurück nach München.

Nürnberg verdient mindestens einen halben Tag. Die mittelalterliche Altstadt (nach Kriegszerstörung größtenteils wiederaufgebaut, aber effektiv nachgebaut) umfasst die Kaiserburg, das Germanische Nationalmuseum (größtes Museum der deutschen Kulturgeschichte) sowie die schönen Kirchen St. Lorenz und St. Sebald. Der Nürnberger Christkindlesmarkt ist Deutschlands berühmtester (relevant bei Reisen Ende November/Dezember).

Das Nürnberger Dokumentationszentrum auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände ist ernstes historisches Terrain — ein Museum in einer NS-Kongresshalle, das die Nürnberger Gesetze, die Prozesse und den gesamten Verlauf des Nationalsozialismus abdeckt. 2–3 Stunden einplanen.

Für die vollständige Tagesplanung zwischen München und Nürnberg den Tagesausflug von München nach Nürnberg lesen.

Zurück nach München über die A9 (2 Stunden ab Nürnberg) fahren. Das Mietauto am Flughafen München oder Hauptbahnhof zurückgeben.

Praktische Hinweise zum Roadtrip

Tempolimits: Auf vielen Abschnitten der deutschen Autobahn gibt es kein generelles Tempolimit, aber eine Richtgeschwindigkeit von 130 km/h gilt auf allen Abschnitten. Einige Abschnitte haben feste Limits. Gebirgsstraßen und Ortszufahrten fallen auf 50 km/h. Geschwindigkeitskameras existieren, sind aber weniger verbreitet als in Frankreich oder Großbritannien. Tempolimitschilder sind deutlich gekennzeichnet.

Parken an Hauptattraktionen: Neuschwanstein hat einen großen kostenpflichtigen Parkplatz im Tal nahe dem Ticketcenter (ca. 7 € pro Tag). Der Zugang zum Kehlsteinhaus erfordert die Nutzung des speziellen Busses von der Dokumentation — Privatautos dürfen nicht nach oben fahren. Die meisten Stadtzentren haben überdachte Parkhäuser.

Kraftstoff: An Autobahntankstellen oder an Supermarkt-Tankstellen in Städten tanken (in der Regel 10–15 Cent günstiger als an Autobahntankstellen).

Maut: Auf deutschen Autobahnen gibt es keine Maut für PKW (LKW zahlen). Österreich (von Berchtesgaden aus über Bad Reichenhall erreichbar) erfordert eine Vignette — an der österreichischen Grenze oder an Tankstellen vor der Einreise kaufen.

Bayern-Ticket als Alternative: Wer lieber kein Auto mietet, kann mit dem Bayern-Ticket die meisten dieser Strecken mit dem Regionalzug abdecken — einige Alpinstrecken (Königssee, Kehlsteinhaus-Zugang) erfordern jedoch zusätzliche Busse und sind zeitlich weniger flexibel. Der Tagesausflüge mit dem Zug ab München behandelt die Zugalternativen.